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User Generated Content

Die Bedeutung von User Generated Content als Nachrichtenquelle für Medienunternehmen steigt, wodurch sich auch ein neues Geschäftsmodell entwickelt.

Gibt man in acht verschiedene PCs bei der Google Suche den Term Content Klau ein, werden trotz unterschiedlichster Standorte und Nutzer der Computer folgende Ergebnisse vorgeschlagen: Content Klau prüfen, Content Klau verhindern, Content Klau Internet. Diese Tatsache lässt vermuten, dass es eine immer gängigere Praxis ist, Content von anderen zu kopieren und ihn als eigene Kreation zu nutzen beziehungsweise auch zu verkaufen.  Mit dem Content von vielen Usern zu arbeiten und diese Inhalte zu nutzen – diese Arbeitsweise ist zwar nicht neu, dennoch hat sich aus der Klassifikation User Generated Content in der Zwischenzeit ein Geschäftsmodell entwickelt.

 

Allgemein lassen sich als User Generated Content jene Inhalte definieren, die von Nutzern selbst im Internet erstellt werden.  Dabei müssen folgende drei Kriterien erfüllt sein: es muss sich um veröffentlichte Inhalte handeln, die ohne jegliche Hilfe und außerhalb von professionellen Abläufen kreativ entstanden sind. Dazu zählen jedoch nicht nur verfasste Texte, sondern auch Bilder, Videos wie auch Sprachaufnahmen.

In den meisten Fällen stellt die oben beschriebene Vorgehensweise kein Problem für die Produzenten dar. Das Herstellen von Content ist oft ein Hobby und entsteht durch einen gewissen Idealismus heraus. Sollten also Unternehmen Teile davon verwenden, sind Betroffene meist einfach nur froh darüber, erwähnt zu werden, auch wenn sie kein Geld dafür bekommen.  Diese Verhaltensweise ist auch nicht neu, sie kommt ursprünglich aus der Buchbranche.

 

Wie in so ziemlich jeder Lebenslage verhält es sich nun auch bei Online-Medien so, dass die Leser ihre Inhalte so billig wie möglich oder überhaupt gratis bekommen wollen.  Durch diesen Umstand ist es wenig verwunderlich, dass alte Geschäftsmodelle durch die Digitalisierung nur mehr bedingt funktionieren und der dadurch entstandene finanzielle Druck den tagesaktuellen „Qualitätsjournalismus“ gefährdet. Professionell erstellter Content kostet viel Geld und im Gegenzug fast nichts dafür zurückzubekommen, kann sich auf lange Sicht gesehen nicht rentieren. Als Konsequenz des Ganzen müssen die Strategen der einzelnen Medienunternehmen neue Geschäftsmodelle entwickeln, um auch irgendwie an das nötige Kleingeld zu gelangen. Ein Lösungsansatz war/ist dabei das Verwenden nutzergenerierter Inhalte. Wie das dann in der Praxis genau aussieht, kann anhand der „Sozialen Nachrichtenagentur“, die Storyful genannt wird, dargestellt werden.

 

So funktioniert Storyful

Gegründet von den Journalisten Mark Little und David Clinch klingt das Ziel des in Dublin gelegenen sozialen Nachrichtenaggregators ziemlich simpel aber gleichzeitig auch ehrgeizig: „We wanted to seperate the news from the noise of the real-time web“. Storyful soll also den Nutzern dazu verhelfen, einen Überblick über die wichtigsten Informationen aus den zahlreichen Beiträgen der Social Media Plattformen zu behalten und trennt dabei das Wichtige vom Unwichtigen. Doch wie genau geht dieser Prozess vonstatten? Hier heißt das Zauberwort – wie so oft - Algorithmus. Storyful analysiert Inhalte aus dem Social Web auf ihre Umlaufgeschwindigkeit. Das bedeutet, dass wenn sich ein bestimmter Content schneller verbreitet als andere, dieser dann automatisch durch den Algorithmus gefiltert wird.  Anschließend wird die Geschichte auf ihre Richtigkeit von den Mitarbeitern der Sozialen Nachrichtenagentur überprüft und schlussendlich den Medienpartnern zur Verfügung gestellt.  Obwohl diese Vorgehensweise ziemlich einfach klingt, war sie keinesfalls erfolglos. Ganz im Gegenteil, 2013 wurde Storyful von dem US-Medienkonzern News Corp. für 25 Millionen Dollar aufgekauft.  Inzwischen hat sich auch eine eigene Storyful-Community etabliert, deren Anhänger selbst in der Lage sind,  Texte oder Videos direkt auf der Plattform hochzuladen. Als kleines Incentive werden die besten Beiträge sowie deren Produzenten  im Viewfinder speziell hervorgehoben und vorgestellt.

 

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

So nützlich diese Vorgehensweise für die Journalisten wie für die Leser ist, so stellt sich prinzipiell aber die Frage, wie fair das Geschäft mit User Generated Content ist. Denn auch die wirklichen Produzenten der Inhalte wollen entlohnt werden, was aber durch das ungleiche Machtverhältnis meist nicht passiert. Und so ist es kaum verwunderlich, dass im Internet zahlreiche Angebote vorhanden sind, wie man diesem Geschäft bestmöglich entgegenwirkt. Neben Checklisten, Leitfäden oder dem Googeln von Textteilen gibt es eigene Plattformen, die sich auf das Identifizieren von Plagiaten spezialisiert haben. Zudem können schon notarielle Hinterlegungen oder digitale Fingerabdrücke im Internet zum Schutz des eigenen geistigen Eigentums vorgenommen werden. Denn das  Kopieren und Nutzen von fremden Inhalten ist längst keine Seltenheit mehr, sondern zu einer professionellen Tätigkeit geworden, die manchmal sogar über etwaige Staatsgrenzen hinausläuft.

 

Soziale Nachrichtenagentur – wirklich sozial?

User Generated Content bietet in Zeiten von finanziellen Engpässen einen Ausweg zur Ressourcenersparnis. Soziale Nachrichtenagenturen wie Storyful sind hierbei Vorreiter, die die Informationen der breiten Masse mit den Skills der unternehmenseigenen Journalisten verbinden. Trotzdem passiert dieses Verwenden fremder Inhalte nicht immer zugunsten der User, was gesetzlich wie auch im Hinblick auf Anstand einfach falsch erscheint.

 

Autor: Julia Kaltenecker

Bild: unsplash.com: Lauren Mancke

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