Das digitale Kinderzimmer

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Bausteine und Puppen waren gestern – heutzutage wird auf sprechende Barbies und digitale Kinderbücher gesetzt.

Das Spielen mit Spielzeugen dient nicht nur dem Zeitvertreib, sondern ist unter anderem ein wichtiger Wegbegleiter für die soziale Entwicklung der Kinder. Neben diesem Aspekt steigt das Angebot auf dem digitalen Spielzeugmarkt stetig an, was wiederum viele der betroffenen Eltern zum Nachdenken bringt. Vor allem der Begriff Smart Toys wird immer öfter Gesprächsthema. Unter Smart Toys versteht man ein Spielzeug, das darauf ausgelegt ist, Kindern spielerisch und meist über einen Internetzugang Dinge zu erklären.

Von sprechenden Puppen angefangen, bis hin zu Kinderbüchern die nur durch einen Klick über mobile Devices wie Tablets vorgelesen werden – die Vielfalt ist groß und neue technologische Ideen sprießen.

Doch aufmerksame Leser von nationalen als auch internationalen Zeitschriften und Nachrichtenagenturen könnten bereits des Öfteren auf negative Rückmeldungen von Eltern und Co. gestoßen sein. Im Mittelpunkt eines aktuellen Shitstorms steht eine sprechende Barbie-Puppe.

Puppe wird Spionage vorgeworfen

Die „My Friend Cayla Doll“ bereitet nicht nur Eltern Sorgen: sie löst vor allem in der Bundeshandelskommission von Washington D.C. Bedenken und Unruhen aus. Dem smarten Spielzeug wird Spionage vorgeworfen.

Der Verkauf geht vor allem von Genesis Märkten aus, die eine Vielzahl von digitalen Kinderspielzeuge, wie der berüchtigten „My Cayla“, auf den Markt bringen. Die Spielzeuge interagieren über Internet und Bluetooth-Mikrofon mit den Kindern. Durch die Stimmerfassung kann ein Gespräch zwischen Kind und Puppe geführt werden.

Bei den spielenden Gesprächen werden Konversationen mittels App aufgezeichnet, da die Puppe mit einem Antwort-zu-Text-Protokoll über einen integrierten Internetbrowser mit den Kindern agiert.

Dabei werden Kinder von ihrem Spielzeug nach sensiblen Daten, wie beispielsweise nach ihren Namen, den Namen ihrer Eltern, Schulen die sie besuchen sowie nach ihrer Nachbarschaft gefragt. Das Prinzip hinter dem Smart Toy ist praktisch wie „Siri“, der Sprachsteuerung auf Apple Devices, aufgebaut.

Die gesammelten Daten der Puppe, die durch Konversationen erlangt werden, werden an dritte Parteien verkauft. Da dieses Vorgehen aber strikt gegen das Gesetz ist und somit die Privatsphäre der Kinder verletzt, wurden die Unternehmen, die die Daten erhalten haben, angeklagt. Bei Eintreten des Falles, Daten von Kindern an eine dritte Partei zu übergeben, sind die Firmen dazu verpflichtet, mit den betroffenen Eltern zu verhandeln und diesen Bescheid zu geben. Eltern habe wiederum das Recht auf eine absolute Löschung der Daten. Weiters wird dem Smart Toy eine unsichere Verbindung zum Internet vorgeworfen. Da Smart Toys mit Kindern vermehrt über Bluetooth-Verbindungen in Kontakt stehen, ist die Chance, Hackerangriffe zu umgehen, sehr gering. Somit kann es fremden Menschen gelingen, sich in das Bluetooth-Netz des Toys einzuloggen und direkt mit den Kindern, über die Puppe, zu sprechen.

Ein weiterer Aspekt ist die Erstellung eines Interessenprofils. Dieses Vorgehen wird des Öfteren von Webseiten wie Amazon verwendet. Hierbei wird Werbung sowie potenzielle Kaufvorschläge auf unsere Interessen zusammengestellt. Aber nicht nur Webseiten arbeiten mit dieser Methode. Die Firma „Smart Toy“ stellt bereits Spielzeuge her, die in der Lage sind Interessensprofile von Kindern aufzustellen. Im Zuge dessen werden automatische Downloads durchgeführt, die auf den Interessen des Kindes basieren.

Diese Vorwürfe führten dazu, dass das Spielzeug „My friend Cayla“, das im Jahr 2014 zu den Top 10 Spielzeugen gehörte, von der Bundesnetzagentur in Deutschland als „verbotene Sendeanlage“ eingeordnet wurde und somit vom Markt genommen wurde. Anlass dafür war die Anforderung eines Rechtsgutachtens von der Universität Saarland, die die Puppe auf Basis des Telekommunikationsgesetzes untersuchte. Obwohl in Österreich andere Rechtslagen gelten und somit ein Verbot des Spielzeuges nicht möglich ist, rät der Österreichische Verein für Konsumenteninformation den betroffenen Eltern die Puppe zu vernichten und vielleicht doch lieber auf die altmodischeren Bauklötze zurück zu greifen.

Schlussendlich bleibt die Frage offen, wie sinnvoll und vertrauenswürdig Smart Toys wirklich sind. Auf der einen Seite dienen diese modernen Spielzeuge als zugeschnittenes Unterhaltungsprogramm für Kinder, die versuchen Lernen auf spielerische Art und Weise zu vermitteln. Auf der anderen Seite wird der höchstpersönliche Lebensraum von Kind, Eltern und Familie durch viele Faktoren unterwandert. Das ausgelöste Unbehagen und die damit einhergehenden Verstimmungen der Eltern, werden durch viele Faktoren und Auslöser verstärkt. Im Zuge dessen kann man zu dem Fazit kommen, dass Eltern eher zu den altertümlichen Spielzeugen wie Teddybär und Co. zurückgreifen sollten um in weiterer Folge auch die Privatsphäre ihrer Kinder zu schütze.

Über die Autorin

Solt

Leona Solt studiert an der Fachhochschule St. Pölten Medienmanagement. Sie absolvierte bereits mehrfache Praktika in renommierten Medien-Firmen wie Red-Bull oder H.O.M.E Magazine im Bereich Online-Journalismus. Nebenbei beschäftigt sie sich mit Bloggen.

Bildquelle: Leona Solt

Quelle Titelbild: Pexels

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