Digitale Selbstlernangebote für Flüchtlinge

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Geflüchtete Menschen versuchen mithilfe von digitalen Applikationen die deutsche Sprache zu erlernen. Auch österreichische Politiker unterstützen diese Art des Lernens. Diese Selbstlernangebote haben Vor- und Nachteile.

Die Flüchtlingswelle in den Jahren 2015/2016 hat die österreichische Integrationspolitik vor neue Herausforderungen gestellt.  Mit 130.413 Asylanträgen (1) – die in diesem Zeitraum beantragt wurden – mussten Methoden entwickelt werden, damit asylberechtigte Migranten möglichst schnell die deutsche Sprache beherrschen.

„Deutsch-Lern-Apps“ sollen Sprachkenntnisse digital vermitteln, um eine rasche Eingliederung zu gewährleisten, denn Werteakzeptanz und das Erlernen der deutschen Sprache sind Schlüsselfaktoren für eine erfolgreiche Integration.

Einige Deutsch-Lern-Anbieter geben den Nutzern nicht nur die Möglichkeit die deutsche Sprache zu lernen, sondern stellen auch umfassende Informationen über diverse Behördengänge (2) in Österreichzur Verfügung.

Unterschiedliche Apps – Unterschiedlicher Erfolg

Der österreichische Integrationsfonds legt fest, dass innerhalb von 24 Monaten eine Integrationsprüfung durchgeführt werden muss. Diese Prüfung umfasst Deutschkenntnisse auf dem Niveau A2 und Kenntnisse der grundlegenden Werte der österreichischen Rechts- und Gesellschaftsordnung (3).

Jedoch müssen Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte oft monatelang auf einen staatlich finanzierten Deutschkurs warten. Um diese Wartezeit sinnvoll nutzen zu können, stehen digitale Selbstlernangebote, von staatlicher und privater Seite, zur Verfügung. Diese können in verschiedene Typen eingeteilt werden:

  1. Vokabeltrainer, die helfen einzelne Wörter zu lernen, wie „Deutsch Lernen – 6000 Wörter“ (4)
  2. Durch Lernprogramme werden Sätze und Redewendungen in einem sinngemäßen Kontext gelehrt. Beispiel: „Ankommen“ (5)
  3. Mit Lernspielen, wie beispielsweise „Lern Deutsch – Stadt der Wörter“ (6), können Nutzer in einer virtuellen Stadt Wörter sammeln und Aufgaben lösen.
  4. Die Video-Tutorials trainieren nur das Hörverständnis.
    Ein Beispiel hierfür ist: „Deutsche Sprache lernen mit Aussprache“ (7)

Stiftung Warentest empfiehlt jedoch nur zwei von zwölf Deutsch-Lern-Apps weiter (8). Für das Erlernen der deutschen Sprache muss nämlich das Lesen, Hören, Schreiben und Sprechen regelmäßig trainiert werden. Durch das Nutzen von digialten Selbstlernangeboten wird jedoch nur das Lesen, Schreiben oder Hören unterstützt. Zwischenmenschliche Dialoge, sowie Freies Sprechen werden somit nicht gefördert.

Deutsch-Lern-Apps – Hilfreich um Wartzeiten zu überbrücken

Deutsch-Lern-Apps geben Asylbewerbern eine sinnvolle Beschäftigung und die Möglichkeit die wichtigsten Sätze für den Alltag zu erlernen. In kleinen Schritten wird der Wortschatz der deutschen Sprache erweitert. Apps wie „Ankommen“ und „Lern Deutsch – Stadt der Wörter“ vermitteln wichtige Sprachfertigkeiten, sowie Grammatikübungen. Diese beiden Selbstlernangebote sind Vorbilder in diesem Markt und die einzigen, die laut Stiftung Warentest empfehlenswert sind. Ein weiterer Vorteil dieser Applikationen ist, dass sie meist kostenlos zu erwerben sind. Somit ist freier Zugang zur Bildung und in weiterer Folge zur Integration gegeben, wenn auch nur in kleinem Ausmaß.

So auch die ehemalige österreichische Bildungsministerin Gabriele Heinisch Hosek (9): „Kinder und Jugendliche lernen ständig – da ist es nur konsequent, ihnen auch digitale Lernmöglichkeiten anzubieten, die sie immer und überall nutzen können.“

Digitale Selbstlernangebote kombiniert mit Deutschkursen

Einen möglichen Weg der Kombination von digitalen Selbstlernangeboten und Deutschkursen zeigt das österreichische Start-Up uugot.it (10). Asylberechtigte, die bereits einen Deutschkurs besuchen, bekommen eine App zur Verfügung gestellt. Diese Applikation ermöglicht es mit Untertitel fernzusehen und im Zuge dessen unbekannte und neue Wörter erklärt zu bekommen.

Deutschtraining.org(11) bietet eine Möglichkeit für Flüchtlinge, die keinen bezahlten Integrationskurs erhalten oder noch nicht erhalten haben, die Deutsche Sprache zu verbessern. Das Lernkonzept gliedert sich in eine Unterrichts- und eine Selbstlernphase. Die Unterrichtsphase wird von ehrenamtlichen Deutschlehrern durchgeführt und für die Selbstlernphase wird kostenloses Online-Lernmaterial zur Verfügung gestellt.

Schlussendlich kann gesagt werden, dass digitale Selbstlernangebote Vor-Ort-Deutschkurse nicht ersetzen können, da nur Präsenztermine alle 4 Sprachfertigkeiten (Hören, Lesen, Sprechen, Schreiben) fördern. „Deutsch-Lern-Apps“ sind jedoch gute Hilfsmittel, um sich wichtige Alltagsphrasen anzueignen und Grundkenntnisse aufzubauen.

Quellen

(1)http://www.bmi.gv.at/cms/BMI_Asylwesen/statistik/files/2016/Asylstatistik_Dezember_2016.pdf

(2) http://wien.orf.at/news/stories/2770986/

(3)https://www.integrationsfonds.at/sprache/integrationsvereinbarung/integrationsvereinbarung-2017/was-ist-die-integrationsvereinbarung/

(4) https://www.test.de/Apps-zum-Deutschlernen-Nur-zwei-von-zwoelf-empfehlenswert-4989440-5000078/detail/2016503000!4/?origin=List&sort=gesamtErgebnis

(5) https://www.test.de/Apps-zum-Deutschlernen-Nur-zwei-von-zwoelf-empfehlenswert-4989440-5000078/detail/2016503000!1/?origin=List&sort=gesamtErgebnis

(6) https://www.test.de/Apps-zum-Deutschlernen-Nur-zwei-von-zwoelf-empfehlenswert-4989440-5000078/detail/2016503000!2/?origin=List&sort=gesamtErgebnis

(7) https://www.test.de/Apps-zum-Deutschlernen-Nur-zwei-von-zwoelf-empfehlenswert-4989440-5000078/detail/2016503000!8/?origin=List&sort=gesamtErgebnis

(8) https://www.test.de/Apps-zum-Deutschlernen-Nur-zwei-von-zwoelf-empfehlenswert-4989440-0/

(9) https://www.bmb.gv.at/ministerium/vp/2015/20151008.html

(10) https://futurezone.at/thema/start-ups/fluechtlinge-lernen-mit-app-beim-fernsehen-deutsch/249.625.151

(11) http://deutschtraining.org/deutsch-fuer-fluechtlinge/

Quelle Titelbild: Pixabay

ÜBER DIE AUTORIN

Wastl

Sophie Wastl studiert im Bachelorstudiengang Medienmanagement an der Fachhochschule St. Pölten. Sie hat bereits für das studentische Medienfachmagazin SUMO geschrieben.

 

 

 

 

 

Quelle: Therese Wastl

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