Schiffbauingenieure von morgen
Text: Timo Albiez | Fr 25. Mär 2011
95 Prozent des Welthandels werden auf dem Wasserweg abgewickelt – etwa 12.000 Seeschiffe laufen allein in Hamburg aus, dem fünftgrößten Hafen Europas. Doch woher kommen sie eigentlich, die Kolosse aus Stahl? Micha Fischer, Schiffbau-Student an der Technischen Universität Hamburg-Harburg, weiß mehr.
Schiffbau zählt zu den schwierigsten Ingenieurs-Studiengängen. Was hat dich dazu bewogen, Schiffbau zu studieren?
Schiffe haben mich schon immer fasziniert. Irgendwann hat die Mithilfe beim Bau eines Katamarans den Ausschlag gegeben. Es stimmt, Schiffbau zählt zu den schwersten Studiengängen. Die Dropout-Quote liegt schätzungsweise bei 50 Prozent.
Welches sind die wichtigsten Fächer in deinem Studium?
Nur wenige wissen, dass in einem Schiff ähnlich viel Know-how steckt wie in einem Flugzeug. In meinem Studium lerne ich Schiffsentwurf und Konstruktionslehre. Zudem sämtliche Berechnungsmethoden und die dynamischen Eigenschaften. Zu ihnen zählen die Strömungslehre, Seegang, Manövereigenschaften und Vibration innerhalb des „Systems Schiff“.
Wie ist es möglich, dass ein Schiff, das hunderte von Tonnen wiegt, schwimmt?
Laut dem Satz des Archimedes schwimmt ein Körper genau dann, wenn die durch ihn verdrängte Wassermasse so schwer ist wie der Körper selbst. Das Schiff schwimmt also, weil es durch seinen Rumpf eine große Menge Wasser verdrängt.
In welchen Bereichen könntest du später mit deinem Studium arbeiten?
Es gibt viele Bereiche, in denen man arbeiten kann. Beispielsweise bei den Klassifikationsgesellschaften (dem TÜV für Schiffe), Ingenieurbüros, bei Reedern, Werften und Behörden. Eigentlich überall dort, wo Schiffe geordert, geplant, gebaut und überprüft werden. Ich würde später aber gerne in einem Ingenieurbüro arbeiten.
Im Jahr 2007 wurdest du Tretboot-Weltmeister auf der Langstrecke und Vizeweltmeister im Sprint. Lag das an eurem schnellen Boot, das ihr selbst konstruiert hattet?
Nicht ich, sondern wir als Team wurden Weltmeister. Mein Studienkollege Christoph und ich haben zwar getreten, aber die viele Arbeit, die in unserem komplett selbst geplanten und gebauten Boot steckte, wurde über Jahre hinweg von allen Schiffbaustudierenden geleistet. Zum Einen lag es an unserem Tretboot, dem „Imperator“, das einen für Langstrecken optimierten Rumpf hatte. Zum Anderen haben wir uns durch Ausdauertraining auf dem Rennrad auf die Weltmeisterschaft vorbereitet. Gerade in der Long Distance über vier Stunden waren wir nicht zu schlagen. Auch in den anderen Disziplinen wie dem Slalom und der Beschleunigung waren wir ganz vorne mit dabei.
Schon seit vielen Jahren erfreuen sich Kreuzfahrten sehr großer Beliebtheit. Was denkst du über das bekannte Clubschiff Aida?
Ein Kreuzfahrtschiff ist in seiner Komplexität kaum zu übertreffen. Es ist wie eine schwimmende Stadt, welche mit 20 Knoten (knapp 40 Stundenkilometer) über eine Hügelpiste von Wellen fährt. Die Zeit von Beginn der Konstruktion bis zur Ablieferung des gebauten Schiffes beträgt gerade einmal 22 Monate. Wenn man dies mit der Entwicklung und der Bauzeit anderer technischen Systeme wie zum Beispiel dem Flugzeugbau vergleicht, ist das sehr schnell. Das macht für mich die eigentliche Faszination eines Kreuzfahrtschiffes aus.
- Name: Micha Fischer
- Geburtsdatum: 21.05.1983
- Sternzeichen: Stier
- Heimatort: Lörrach (D)
- Hobbies: Segeln, Windsurfen
- Studiengang: Schiffbau, Technische Universität Hamburg-Harburg (TUHH)
- Studiendauer: 10-12 Semester
- Akademischer Grad: Diplom
