Gefangen im Netz: Jugendliche im Online-Wunderland

Social Media, Facebook am Handy

Die schöne neue Welt der Sozialen Medien bietet nicht nur Infotainment, sondern auch jede Menge Gefahren für junge Online-Surfer. Eine Initiative der Europäischen Kommission will Abhilfe schaffen.

Am 9. Februar dieses Jahres war „Safer Internet Day“, beruhend auf einer Initiative der Europäischen Kommission aus dem Jahre 2004. Sinn dieser Initiative, die dieses Jahr unter dem Motto „Gemeinsam für ein besseres Internet“ steht, ist es, durch Aktionen und Veranstaltungen vor allem Jugendliche für den sicheren Umgang mit digitalen Medien fit zu machen, d.h. mehr Verantwortung im Netz wahrzunehmen und mehr Kompetenz im Umgang mit Risiken zu erwerben.

Die Jugendlichen sind zwar mit den verschiedenen Angeboten der Kommunikation im Netz vertraut, das heißt aber noch lange nicht, dass sie jenes auch richtig nützen, ohne sich oder andere zu gefährden. Diese Sorge ist nicht unbegründet. Der deutsche Verein klicksafe.de dokumentiert extreme Inhalte im Netz und verzeichnet für das Jahr 2015 eine dramatische Zunahme von rassistischen und hetzerischen Aussagen von Sexting und Cybermobbing.

 

Die beliebtesten Sozialen Netzwerke 2016

Die österreichische Plattform saferinternet.at präsentierte erstmals den Jugend-Internet-Monitor, basierend auf aktuellen Daten, die auf Grund einer Online-Umfrage vom Institut für Jugendkulturforschung erhoben wurden. 407 Jugendliche im Alter von 11-17 Jahren wurden über ihre Vorlieben unter den Sozialen Medien befragt:

Am beliebtesten war WhatsApp mit 94% NutzerInnen, gefolgt von YouTube (87%) und Facebook (69%). Dann folgten die Bilder-Netzwerke Instagram (55%) uns Snapchat (52%). Twitter kam auf 25% UserInnen. Am wichtigsten im Sinne der Hilfestellung für Jugendliche auf ihrem Weg im Web ist der Hinweis auf die lauernden Gefahren insbesondere in Bezug auf Facebook und Snapchat.

Facebook erfüllt den Wunsch jugendlicher NutzerInnen nach Kontaktaufnahme mit Gleichgesinnten und hilft ihnen, sich mit unterschiedlichen Gruppen und Personen zu vernetzen. Gerade zu einer Zeit, da sie sich von ihrem Elternhaus zu lösen beginnen und nach Kontakten außerhalb des unmittelbaren sozialen Umfelds suchen, bietet Facebook verlockende Möglichkeiten. Facebook gestattet es ihnen auch sich als interessant und/oder liebenswert zu inszenieren und nach möglichen Freunden und Freundinnen Ausschau zu halten. Meinungen und Vorlieben werden anderen mitgeteilt und sollen durch möglichst viele „Likes“ das Selbstbewusstsein stärken. Das ist prinzipiell zu begrüßen und kommt offensichtlich einem tief sitzenden Bedürfnis nach Bestätigung und Zugehörigkeit entgegen.

 

Die dunkle Seite von Facebook

Facebook hat leider aber auch eine Schattenseite: Nicht alle Jugendlichen haben die nötige soziale Reife mit Kritik oder Widerspruch umzugehen. Sie werden zu Opfern oder Tätern von Cybermobbing mit zum Teil verheerenden Folgen. Jugendliche mit geringem Selbstbewusstsein lassen sich auf fragwürdige Abenteuer mit auf Facebook gefundenen „Freunden“ ein, nicht ahnend, dass es ältere User gibt, die sich als Jugendliche tarnen und auf der Suche nach leichtgläubigen und leicht verführbaren Opfer ihrer sexuellen Abartigkeit sind.

 

ROBERT klärt auf 

Das von der EU-Kommission geförderte Forschungsprojekt ROBERT hat die Ergebnisse von 10 Jahren Forschung über Cyber Grooming gesammelt und festgestellt, dass viele Sexualstraftäter sich ganz offen als Erwachsene deklarieren und die Neugier oder auch Unsicherheit junger Mädchen hinsichtlich ihrer körperlichen Attraktivität ausnützen, um an Nacktbilder ihrer Opfer zu gelangen. Solche Bekanntschaften führen zwar  selten zu persönlichen Begegnungen offline, aber fallen natürlich auch unter den Tatbestand der „Sexploitation“.

 

Jugendliche selber praktizieren untereinander auch gerne „Sexting“ als Mittel der Selbstdarstellung und so manches Mädchen findet sich dann von einem „Freund“ bloßgestellt und dem Spott preisgegeben. Die beliebte Foto-Sharing-App Snapchat lässt zwar versendete Bilder nach maximal 10 Sekunden „verschwinden“, doch die Bilder sind nicht wirklich weg. Es ist mit relativ einfachen Mitteln möglich versendete Dateien wiederherzustellen. Das Internet vergisst nicht.

 

Wenn einem/einer Jugendlichen die Selbstbestätigung durch positive Kommentare oder „Likes“ in beeindruckender Anzahl versagt bleibt, kann dies Jugendliche stark unter Druck setzen. Vermeintliche Freunde tolerieren auch kaum negative oder traurige Gefühle. Alle sollen ständig  „happy“, positiv gestimmt und witzig sein. Dass dies im Widerspruch zum wirklichen Leben und ganz besonders in einer Zeit des Umbruchs, wie eben in der Pubertät, ist, wird ausgeblendet und als „uncool“ abgelehnt.

 

Lotsen gesucht

Die Heranwachsenden  sollen auch ihre Erfahrungen machen, doch sollen sie auch wissen, dass man sich im Netz verstricken kann. Da ist es wichtig zu wissen, wo Rat und Hilfe zu holen sind. Das österreichische Bundesministerium für Familie und Jugend betreibt als Serviceeinrichtung die Medien-Jugend-Info, deren Ziel es ist Medienkompetenz in ihrer gesamten Bandbreite zu vermitteln und zu fördern. MJI arbeitet eng mit medienpädagogischen Einrichtung zusammen, allem voran mit saferinternet.at, die eine Reihe von Ratgebern durch die Unwegsamkeiten der sozialen Medien zum kostenlosen Download bereitstellt. Ein ähnliches Angebot kann unter medienveranstalter.de, einem Service des Deutschen Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Anspruch genommen werden. Diese Ressourcen wollen genutzt werden – von Eltern, Lehrern, Therapeuten und den Jugendlichen selber!

 

Autor: Lilian Dobes

Bild: unsplash.com: William Iven