Horrorfilme: Die Lust an Angst, Ekel und Spannung

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Jeder Mensch reagiert anders, wenn es um das Filmgenre Horror geht: Einerseits gibt es richtige Fans, andererseits auch Menschen, welche die Faszination an Blut, Morden oder Folterungen nicht nachvollziehen können. SUMO interviewte dazu eine Medienforscherin, sowie Horrorfilmliebhaber und -gegner.

Die Geschichte des Horrorfilms reicht so weit zurück, wie die Entwicklung des Films selbst – bis ins Jahr 1900. 1913 wurden durch den filmischen Expressionismus typische stilistische Mittel wie Licht und Schatten dazu verwendet, schaurige Kulissen zu gestalten. Inhaltlich wurden Themen aus der Literatur der Schauerromantik aufgegriffen. 1920 wurde in „Der Golem, wie er in die Welt kam“ erstmals die Thematik der Monster aufgegriffen und verfilmt. Kurz darauf erschienen mit „Nosferatu“ und „Graf Dracula“ die ersten Vampire auf der Kinoleinwand. 1931 erschienen die legendären, vom deutschen Expressionismus beeinflussten US-Filme „Frankenstein“ mit Boris Karloff in der Monsterrolle und „Dracula“, dargestellt von Bela Lugosi. Durch die „Universal Studios“ wurde das Genre dann durchgehend gefestigt, auch durch Werke wie der „Wolfsmensch“, die „Mumie“ und „King Kong“. Am Ende des 20. Jhdt. orientierten sich die Regisseure daran, dass das Böse nun vom Menschen selbst ausgeht und nicht mehr von Monstern oder irrealen Kreaturen.

Woher stammt die Faszination an Horrorfilmen?

Horrorfilme haben laut Duden die Absicht Grauen und Entsetzen auszulösen. Im Vergleich zu Thrillern, die bei RezipientInnen Spannung erzeugen wollen, zeigen Horrorfilme viel Blut, Morde und grauenhafte, böse Wesen. Prof. Dr. Anne Bartsch, Professorin für empirische Kommunikations- und Medienforschung an der Universität Leipzig, beforschte unter vielem anderen auch die Nutzung von Horrorfilmen. Um zu analysieren, wieso Menschen bestimmte Medien rezipieren ist es notwendig, ihre Beweggründe, Motive oder Bedürfnisse zu verstehen. Einige wichtige Faktoren, welche beeinflussen, ob jemand gerne Horrorfilme sieht seien das persönliche Erregungsspektrum jeder Person und der Nervenkitzel und die Spannung während des Films. Es gibt hierzu verschiedene Theorien, Prof. Bartsch erklärt hierzu das Sensation Seeking. „Der eine ist bereits aufgeregt, wenn er einen fremden Menschen auf der Straße ansprechen muss – das genügt der Person bereits an Adrenalin. Wieder andere brauchen eine wesentlich stärkere Stimulation, um eine Aufregung zu spüren und diese tendieren dann zu solchen Genres.“  Sensation Seeking beschreibt also das Merkmal eines jeden Menschen, wieviel Spannung, Adrenalin oder Nervenkitzel er bzw. sie aushält. Es sei ein allgemeines Persönlichkeitsmuster, das auf Stimulation aus ist und auch beispielsweise bei ExtremsportlerInnen zu finden sei.

Die schaurigen Seiten von Horrorfilmen

„Horrorfilme sind für mich persönlich viel zu gruselig! Ich kann gar nicht zusehen, wie Menschen sterben und hasse es mich zu erschrecken, außerdem bekomme ich immer Alpträume von den schrecklichen Szenen“, antwortet Denise (Name geändert) auf die Frage nach ihrer Ablehnung von Horrorfilmen. Sie kam gerade aus einer Kinokomödie.

Doch gibt es negative Effekte die Horrorfilme bei den Zusehern auslösen können? Es gebe durchaus die Gefahr, dass man sich immer mehr an die schaurigen Szenen gewöhnt und daher ein Gewöhnungseffekt eintritt. Aus den Studien von Prof. Bartsch resultierte allerdings nicht, dass Menschen sich am Anblick von Grausamkeiten erfreuen. Wenn es Menschen mit solchen Neigungen gäbe, seien so selten, dass sie in den Studien nicht auffallen. Den meisten Zuschauern geht es nicht um Grausamkeiten an sich, sie suchen eher den Nervenkitzel oder wollen Gewaltphänomene verstehen und nehmen dafür den Anblick von Grausamkeiten in Kauf. Ein Grund für Jugendliche, sich solche Filme anzusehen sei das Austesten von Grenzen und etwas bisweilen Verbotenes zu tun. Es können auch Mutproben sein, sich Filme anzusehen, bei denen das empfohlene Mindestalter ab 16 oder 18 ist. In einer Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen wurden dazu Neuntklässler (also im Alter von 14 bis 15 Jahren) befragt. Im Jahr 2010 gaben 19,3% der Jungen und 9,4% der Mädchen an, häufiger Horrorfilme zu sehen.

Die schaurig schönen Seiten von Horrorfilmen

„Ich liebe die Spannung während des Films und die Aufregung kurz bevor man sich erschreckt“, sagt Michael (Name geändert), der gerade aus einer Vorstellung des aktuellen Horrorfilmes „Wir“ von Jordan Peele gekommen ist.

Bei einzelnen Filmen gibt es für RezipientInnen auch tiefsinnige Motive, sich mit einem Gewaltphänomen gedanklich auseinander zu setzen, beispielsweise wenn bestimmte Horrorfilme einen Bezug zur Realität bieten oder man sich verspricht etwas davon zu lernen, wie bei „Schweigen der Lämmer“, der ebenso einen Kultstatus genießt, so Prof. Bartsch.

Resümee

So wie andere Film auch, bieten Filme des Horrorgenres den RezipientInnen Eskapismus, also in eine Welt abtauchen zu können fernab der Realität und somit die Sorgen und Probleme für einen Moment vergessen zu können. Und wo gelingt das besser, als beim Eintauchen in eine völlig fiktive Geisterwelt? Und ein Quäntchen Angstlust motiviert detto.