Jugendmedien als deren Sprachrohr

Jugendmagazine

Jugendmagazine und -formate widmen sich typischen Themen Heranwachsender. Im SUMO-Interview erzählen „Cool Magazin“-Herausgeber Michael Hüttler und FM4-Radiomoderatorin Elisabeth Scharang von Erfahrungen mit dieser Zielgruppe.

TeenagerInnen für (Print-)Magazine zu begeistern ist nicht einfach. Der Jugend-Medien-Studie der „Education Group“ zufolge, an der 512 oberösterreichische Jugendliche teilnahmen, gab nur ein Viertel an, sich sehr für das Lesen von Zeitschriften zu interessieren. Als Lieblingsbeschäftigungen zählen das Treffen von Freunden, Fernsehen und das Verwenden von modernen Devices, wie Computer und Handy. Bei der älteren Generation sah die Sachlage noch ganz anders aus. Dementsprechend gab es eine größere Nachfrage an gedruckten Jugendmagazinen. Heute verlieren diese – wie im aktuellen Fall die Zeitschrift „SKIP.c.l.a.s.s.“ – immer öfter den Kampf gegen die Digitalisierung. Entsprechend der Ergebnisse der Studie gestaltete sich auch die Suche nach aktiven LeserInnen von Jugendmagazinen im Bekanntenkreis schwierig. Die meisten der Befragten antworteten, dass sie die an ihre Altersgruppe gerichteten Zeitschriften wie zum Beispiel „Jö“ oder „TOPIC“ zwar in der Schule lesen, aber privat andere Mediengattungen bevorzugen würden. Die Zeiten für gedruckte Jugendzeitschriften sind daher alles andere als rosig.

Das österreichische „Cool Magazin“ macht´s vor

Eine Zeitschrift, die sich jedoch seit acht Jahren auf dem Markt zu behaupten weiß, ist das „Cool Magazin“. Im SUMO-Interview sagt Verlags-und Magazinsleiter Michael Hüttler: „In Österreich wurden einige Medien für Jugendliche eingestellt, weil sich die Verlage gedacht haben, diese würden sowieso nur mehr im Internet surfen. Dieser Meinung war ich nicht, da ich finde, dass Jugendliche in der Pubertät mit Zeitschriften etwas anfangen können.“ Jedoch sei es schwierig, sich zu positionieren, da TeenagerInnen heutzutage von sämtlichen Medienformen überschwemmt werden würden. „Ein Medium braucht Zeit, um zu wachsen und sich vor allem bei Jugendlichen eine Basis zu schaffen.“ Das Themenspektrum des „Cool Magazins“, dessen Standort sich in Graz befindet und eine Auflage von 70.000 Stück hat, erstreckt sich von Unterhaltung über Politik und Wirtschaft bis hin zu Tierschutz und Ausbildung.

„Print ist nicht tot!“

2013 wurde der „YouTube“-Channel „Cool talking“ initiiert, auf dem zwei Jahre lang Interviews mit MusikerInnen oder KünsterInnen gezeigt wurden. Dies war eine der Maßnahmen, die gesetzt wurden, um das junge Publikum zukünftig nicht zu verlieren. Die Website sowie soziale Netzwerke wie „Facebook“, „Twitter“ und Co sollen dazu beitragen. Hüttler: „Online war für uns ein Bereich, den wir bis vor kurzem lediglich als Service-Sparte für unsere LeserInnen gesehen haben. Es ist aber aktuell von großer Wichtigkeit, sich als Medium online breit aufzustellen. Nicht nur RezipientInnen, auch WerbekundInnen gilt es auf diesem Kanal zu erreichen.“ Dass Print eines Tages von der Bildfläche verschwinden wird, glaubt Michael Hüttler nicht. „Print ist nicht tot und er ist auch nicht umzubringen.“ Für die Zukunft erhofft er sich trotzdem, dass die Jugendlichen wieder vermehrt zu Printmedien greifen. „Ein Magazin herauszugeben bedeutet viel Arbeit und Herzblut. Wenn die Lesebereitschaft nicht in dem Ausmaß gegeben ist, ist das schade.“

Bei Jugendformaten im Radio wird diskutiert

Nicht nur im Print- oder Online-Bereich werden für Jugendliche interessante Themen aufgegriffen und publiziert – auch das Radio kann einen großen Spielraum bieten. In der Radiosendung „FM4 – Auf Laut“ des österreichischen Jugendkultursenders stehen beispielsweise jeden Dienstag für eine Stunde lang Probleme, Ängste und Wünsche der jungen Hörerschaft im Mittelpunkt. Diese gilt als Nachfolgesendung für das „FM4 Jugendzimmer“, das von 1997 bis 2009 ausgestrahlt wurde. Im Unterschied zu „Auf Laut“ wurden bei diesem Format die Radiogäste zu Hause in ihrem „Jugendzimmer“ besucht. Anschließend konnte via Anruf mitdiskutiert werden.
Elisabeth Scharang, die als Radiomoderatorin gemeinsam mit Claus Pirschner sowohl heute als auch damals durch die Sendungen führt, erklärt im SUMO-Interview: „Das Bedürfnis zu reden ist ungebrochen. Das Radio ist ein sehr intimes Medium. Menschen erzählen oft Dinge, die sie zum ersten Mal laut aussprechen, weil sie gewissermaßen geschützt und anonym sind. Ich sehe mich als Gastgeberin. Das gilt auch für die AnruferInnen. Ich weiß, dass Menschen, die anrufen oder zu Gast sind, ob der Livesituation aufgeregt sind. Es ist meine Aufgabe, eine Gesprächssituation auf Augenhöhe herzustellen.“

Die Rolle von Live-Diskussionssendungen im Radio

Formate, die einen unmittelbaren Austausch ermöglichen, erachtet sie als sehr wichtig, da es anderen helfe, die Erfahrungen zu hören, die ein/e andere/r gemacht hat. Vor allem für junge Menschen, die sich ihre Weltanschauung „zusammenbauen“, ist es essenziell, die Sicht der anderen zu hören und darüber diskutieren zu können.

Die Idee zum „FM4 Jugendzimmer“ kam aufgrund der Erfahrung mit Livediskussionssendungen, zu denen immer ExpertInnen geladen waren. „Ich wollte nicht mehr, dass jeweils andere über Jugendliche sprechen, sondern diese selbst über ihr Leben erzählen“, so Scharang. Dabei wurde nie eine Vorauswahl getroffen. Vielmehr stand die Geschichte des Gasts im Vordergrund. „Als die Internetforen nach und nach die Funktion übernommen haben, kamen wir zum Entschluss, ein neues Format zu eröffnen. Die Sendung ‚Auf Laut‘, die als Nachfolgesendung gilt, folgt ebenso dem Prinzip, dass die betroffenen Menschen selbst erzählen und nicht ExpertInnen über sie sprechen.“

Auf die Frage wie die Zielgruppe neben Streaming-Diensten und Podcasts zukünftig am besten erreicht werden kann, sagt die Moderatorin: „Dafür gibt es keine Rezepte, da die junge Zielgruppe keine homogene Gruppe ist, die gemeinsame Interessen hat.“ Vielmehr rät sie, Trends und Bedürfnisse zu beobachten und darauf bezugnehmend zu reagieren.

Bildquelle: Pexels

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