Wenn das Netz im grauen Einerlei versinkt
Text: Maria Derflinger - Sommerredaktion | Mo 29. Aug 2011
Barrierefreies Webdesign macht‘s möglich – Surfen im Netz auch für Menschen mit beispielsweise einer Sehbehinderung. Was sollte bei der Farbgestaltung beachtet werden, um Personen mit einer Farbfehlsichtigkeit nicht vom Surfen auszuschließen? Tipps und Tricks dazu liefert der folgende Beitrag.
Was es mit der Farbfehlsichtigkeit auf sich hat
In der Medizin wird zwischen Rot-, Grün- und Blaublindheit unterschieden. Personen mit Rotblindheit sind nicht fähig die Farbe Rot wahrzunehmen. Dies gilt analog für die Grün- und Blaublindheit. Darüber hinaus verwechseln betroffene Personen verschiedene Farben miteinander. Zum Beispiel können Personen mit einer Rotblindheit die Farben Rot, Grün, Gelb und Braun nicht genau differenzieren. Acht Prozent der männlichen Erdbevölkerung leiden an einer Farbfehlsichtigkeit. Bei Frauen beträgt dieser Anteil 0,5 Prozent.
Das Programm „VisCheck“ erlaubt Simulationen dazu, wie Bilder oder auch Schriften von Personen mit einer Farbfehlsichtigkeit gesehen werden.
Hättest du gedacht, dass das orangefarbene SUMO-Logo grün aussehen kann? Für Personen mit einer Rot- bzw. Grünblindheit wirkt das Logo eben in verschiedenen Grüntönen. Für Personen mit einer Blaublindheit wird es sogar als rosafarben wahrgenommen!
Farbliche Websitegestaltung und der Trick mit den „Drei K‘s“

Um Websites grafisch ansprechend zu gestalten, nutzen Webdesigner die drei K’s (Komplementärfarben, Kontrast und Kombination von Farben). Wenn auch du dich beim Gestalten deiner Website daran orientierst, kann fast nichts mehr schief gehen. Zur Bestimmung der drei K’s dient der Farbkreis.

Jene Farben, die im Farbkreis genau gegenüber voneinander liegen, werden Komplementärfarben genannt. Sie stehen in einem besonderen Verhältnis zueinander, denn sie bieten den kräftigsten Kontrast. Mit der Kombination von exakten Komplementärfarben solltest du aber vorsichtig sein, denn die Kombination irritiert nicht nur Farbfehlsichtige.
Vielmehr erweckt diese Mischung für alle den Anschein, als würde der Bildschirm flimmern. Deshalb wird die Kontraststärke eines Komplementärfarbenpaars gemildert, indem Farben aufgehellt oder abgedunkelt werden.
Um eine Website harmonisch zu gestalten wird eine Farbpalette definiert. Durch das Aufspannen beispielsweise eines Dreiecks im Farbkreis kannst du eine Kombination von drei Farben bilden. Wie oben erklärt wird dann die Kontraststärke gemildert. Das Ergebnis ist ein gut aufeinander abgestimmtes Farbentrio.
Do‘s and Dont‘s bei der Farbgestaltung
Farbkombinationen: Außer den Komplementärfarben sollte die Kombination von Rot und Schwarz vermieden werden, da Personen mit einer Rotblindheit Rot als dunkles Grau oder Schwarz wahrnehmen. Kombinationen von Beige, Gelb und Orange mit Rot oder Grün werden nicht befürwortet, da Personen mit einer Grün- oder Rotblindheit statt Rot bzw. Grün eben Beige, Gelb oder Orange sehen. Die Lesbarkeit ist dadurch stark beeinträchtigt.
Benutzerdefinierte Bildschirmeinstellungen: Um den Bedürfnissen möglichst aller Nutzer zu entsprechen, sollten Farbton und Helligkeit von Hintergrund- und Schriftfarben individuell eingestellt werden können. Voraussetzung hierfür ist die Trennung von Content und Layout. Das Layout einer Website wird mit einem System definiert, der Inhalt hingegen auf einer Datenbank gespeichert. Dadurch kann das Layout unabhängig vom Inhalt der Website verändert werden.
Gestaltung von Farben in Grafiken: Wichtig bei Grafiken und Bildern ist die Kontraststärke zwischen Vorder- und Hintergrund. Vorder- und Hintergrundfarben sollten sich durch Farbton und Helligkeitsstufe eindeutig unterscheiden.
Nicht nur die Farbe macht den Unterschied
Farben als einziges Unterscheidungsmerkmal: Farbfehlsichtige können bestimmte Farben nicht eindeutig differenzieren. Anweisungen wie etwa „Die gelb unterlegten Felder müssen ausgefüllt werden!“ sollten durch alternative Angaben ergänzt werden. Dies kann beispielsweise durch eine Markierung mit einem Stern (*) erfolgen.
Hervorhebung einer Position: Häufig werden als Orientierungshilfe Navigationspunkte hervorgehoben. Beispielsweise erscheinen bereits besuchte Links lilafarben. Derartige Hilfen sollten nicht nur durch Farbe, sondern auch durch zusätzliche Formatierungen mit Textattributen wie „fett“ oder „kursiv“ dargestellt werden.
Was lernen wir daraus?
In der heutigen Zeit ist Barrierefreiheit in allen Bereichen das Um und Auf – vom Aufzug für Rollstuhlfahrer bis hin zur Bodenmarkierung für sehbehinderte Personen. Diese Barrierefreiheit sollte vor dem Internet keinen Halt machen. Es gehört zum alltäglichen Handwerk eines Webdesigners solche Anforderungen zu berücksichtigen.
Du betreibst selbst eine Website? Dann beherzige genannte Faktoren! Somit können auch Personen mit einer Farbfehlsichtigkeit deine Website problemlos nutzen!
