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Der Saft des Lebens

plasma_angestellteAm 19. November 2011 fand von neun bis 15 Uhr der Tag der offenen Tür im Blutplasmaspende Zentrum in St. Pölten statt. Ich nutzte die Gelegenheit um das Spendezentrum genauer unter die Lupe zu nehmen. Obwohl ich vor dem Studium als Krankenpfleger gearbeitet habe, konnte ich viele neue Dinge erfahren.



Interview mit einem Vampir

„Über ein Einweg-Schlauchsystem wird aus der Ellenbeuge Blut entnommen, das dann in die Abnahmemaschine geleitet wird“, erklärt mir Frau Dr. Koch, eine von zwei Ärztinnen des Instituts, die Vorgehensweise beim Plasmaspenden. „Das Blut kommt dann in die Zentrifuge, wo die schweren von den leichten Anteilen getrennt werden.

plasma_raum2Über dasselbe Schlauchsystem wird das Blut dem Spender wieder zurück gegeben.“ Dieser Prozess klingt kompliziert, dauert aber dennoch nicht lange. „Eine halbe bis eine dreiviertel Stunde muss man rechnen bis man fertig ist“, sagt Dr. Koch. „Die meisten Spender nutzen die Zeit um Zeitung zu lesen oder sich zu unterhalten“, erwähnt die Standortleiterin Frau Errhalt.

Eintrittskarte Gesundheitscheck


Beim Erstbesuch ist es wichtig, einen gültigen Lichtbildausweis und einen Meldezettel mitzubringen. Dann müssen sich die Leute bei der Rezeption anmelden, bevor mit dem Gesundheitscheck begonnen werden kann.

Das Mindestalter beträgt 18 Jahre, das Mindestgewicht 50 Kilogramm. Anschließend bekommen die potentiellen Spender einen Fragebogen zum Ausfüllen und gehen zum Arzt zum Erstgespräch. Dabei wird auch eine kleine Menge Blut abgenommen. „Es dauert eine Woche bis die Befunde vorhanden sind und die Erlaubnis zum Spenden erteilt werden kann.“, sagt Dr. Koch und erwähnt, dass es auch zu bösen Überraschungen kommen kann. „Aids und Hepatitis B Kranke werden von uns sofort verständigt.“

Misstrauen innerhalb der Bevölkerung


Die Plasmaspenden werden anschließend an das Pharma Unternehmen BAXTER in Wien weitergeschickt, die daraus Medikamente herstellen. Obwohl die Kontrollen sehr streng sind und nichts passieren kann herrscht immer noch viel Misstrauen innerhalb der Bevölkerung.

„Die Entscheidung muss man respektieren.“, meint Dr. Koch auf meine Frage, was sie über Sekten wie die Zeugen Jehovas denkt, die aus Blutprodukten hergestellte Medikamente von Grund auf ablehnen. „Man kann sie nicht überzeugen.“, pflichtet Frau Errhalt bei. „Vielleicht sind sie aber auch zu wenig informiert.“

Die Personalstruktur


„Hier ist es auch stressig und man muss sich auch konzentrieren, aber die Belastung mit den kranken Menschen fällt weg.“, sagt Frau Errhalt, die vorher zehn Jahre als diplomierte Krankenschwester in einem Spital tätig war.  Ihrer Meinung nach verdient man im Krankenhaus mehr aufgrund der Zulagen, aber die Hierarchien sind sehr starr. Das Team im Spendezentrum ist sehr locker und die Arbeitszeiten sind besser. Montag, Dienstag sowie Donnerstag und Freitag ist es zehn Stunden lang geöffnet.

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Abschließend erklärt mir Frau Errhalt den Aufbau des Personals. „Wir haben eine Aufnahmesekretärin und sechs Pflegepersonen, unter denen auch ein Pfleger ist. Dann haben wir noch zwei Ärztinnen, die jeweils 20 Stunden arbeiten.“



Nicht nur die Angestellten werden für ihre Mühe belohnt, auch die Spender selbst. „Zwanzig Euro bekommt man für eine Spende, für die fünfte sogar dreißig.“, fügt sie augenzwinkernd hinzu. Demnach ist es auch für Studenten ideal, die obendrein ein gutes Werk vollbringen. Die Zeit kann auch genutzt werden um zu lernen.

Interviews mit Besuchern am Tag der offenen Tür


SUMO: Wie haben sie vom Tag der offenen Tür erfahren?
Liane P.:
Durch meine Tochter, durch Flugblätter und durch Inserate.
Brigitte B.:
Durch meine Schwester. Hauptsächlich aber durch Mundpropaganda.

SUMO: Was wissen sie von der Plasmaspende?
Liane P.:
Noch nicht so viel, ich habe gerade erst die Erstuntersuchung vorbei. Das Plasma wird für medizinische Zwecke genutzt und um Medikamente herzustellen. Es ist alles für einen guten Zweck. Man bekommt gute Informationen und hat die Möglichkeit zur regelmäßigen Blutuntersuchung.
Brigitte B.:
Eigentlich das, was ich hier am Tag der offenen Tür erfahren habe.

SUMO: Werden Sie Plasmaspenden gehen und wenn ja warum?
Liane P.:
Ja, ich werde Spenden gehen. Es ist für einen guten Zweck. Die zwanzig Euro sind mir Wurst.
Brigitte B.:
Ich überlege noch. Möglich ist alles.

Interviews mit Spendern


SUMO: Warum gehen Sie spenden?
Maria K.:
Um den Mitmenschen zu helfen. Der Kostenbeitrag ist natürlich auch ein Lockmittel.
Margarethe H.:
Ich habe eine regelmäßige Untersuchung und bekomme noch was dafür. Das ist gut, besonders wenn man nicht viel hat.

SUMO: Wie oft waren Sie schon spenden, beziehungsweise gehen Sie regelmäßig?
Maria K.:
Ich war schon circa 100 Mal spenden. Ich gehe regelmäßig.
Margarethe H.:
Seit zwei Jahren. Wenn ich gesund bin gehe ich einmal in der Woche.

SUMO: Was sind die Vorteile des Plasmaspendens?

Maria K.: Es herrscht eine angenehme Atmosphäre und die Leute sind sehr freundlich. Ich fühle mich hier wohl, es ist eine echte Entspannung. Ich habe eine dreiviertel Stunde Ruhe für den Körper. Außerdem bin ich ständig unter ärztlicher Aufsicht.
Margarethe H.: Eben die Gesundheitsuntersuchung und dass ich andere Leute treffe.

von Thomas Lettner

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