World Mobile Congress 2012
Text: Sebastian Seefischer | Fr 18. Mai 2012
Bei dem von 27. Februar bis 1. März 2012 stattgefundenen Word Mobile Congress handelt es sich um eine Handymesse der Superlative. Auch dieses Jahr übertrumpften die Hersteller einander mit ihren neuesten Geräten – frei nach dem Motto "Schneller, Größer, Schärfer."
Bei den am WMC 2012 vorgestellten Smartphones liegen vor allem Vierkernprozessoren sowie leistungsfähigere Kameras und schärfere Displays voll im Trend. Diese neuen Superphones lassen so manchen Standrechner alt aussehen was Rechenleistung und Arbeitsspeicher betrifft.
Auch für Hersteller von günstigen Digitalkameras könnte sich durch die neuen Geräte eine ernsthafte Konkurrenz entwickeln: So gehören Kameras mit 8 Megapixel oder mehr sowie der Möglichkeit Videos im HD-Ready Format 720p aufzuzeichnen bereits jetzt zur Standardausstattung moderner Smartphones. Nokia und HTC verkündeten gar das Ende der Kompaktkameras.
Nokia 808 PureView
Die derzeit höchste Messlatte in Sachen Handykamera legte dieses Jahr der finnische Hersteller Nokia mit dem 808 PureView. Laut Herstellerangaben ermöglicht das Gerät welches das Symbian Betriebssystem nutzt, Fotoaufnahmen mit einer Auflösung von 41 Megapixeln, sowie Videoaufnahmen in Full-HD Qualität 1080p. Pixel-Oversampling heißt hier das Zauberwort.

Nokia löst mit dieser Technik auch ein altbekanntes Smartphone-Problem: Die Qualitätsverluste bei Verwendung des digitalen Zooms. So ist das 808 in der Lage ohne ein spezielles Objektiv 3fach-Zoom Aufnahmen anzufertigen, bei denen es zu keinerlei Qualitätsverlusten kommt.
HTC ONE Series
Auch beim taiwanesischen Hersteller HTC ging es diesmal mehr um das Fotografieren als um das Telefonieren. Mit der neuen ONE Serie gehören die früheren Fotoschwächen von HTC wohl endgültig der Vergangenheit an. Laut HTC CEO Peter Chou soll sie „die Kompaktkamera überflüssig machen“. Eine interessante Neuerung ist die Möglichkeit, während einer Videoaufnahme Fotos zu machen. In punkto Audio setzt HTC weiterhin auf die Kooperation mit Beats Audio. In diesem Bereich strebt man laut Chou „Studioqualität“ an.
Das Flaggschiff der Serie, das HTC ONE X ist mit Android 4.0 ausgestattet und verfügt über einen Nvidia-Tegra-3-Quadcore-Prozessor und 1 GB Arbeitsspeicher. Der interne Speicher des Geräts umfasst stolze 32 GB, was doppelt so groß bemessen ist wie bei Smartphones der Konkurrenz. Einzig eine weitere Aufrüstung der Kapazität mittels Speicherkarte ist bei dem ONE X nicht möglich. Die Displaygröße ist auf 4,7 Zoll angewachsen, und ist somit deutlich größer bemessen als das von Apples iPhone mit 3,5 Zoll.
Hi-Tech aus China
Smartphones der neuen Generation sollen deutlich günstiger werden. Dieses Ziel haben sich die chinesischen Hersteller ZTE und Huawei gesetzt. Dank neuer Bauteile belaufen sich die Produktionskosten der Android-Smartphones auf weniger als 100 Dollar. Somit könnten sich Smartphones auch in den Entwicklungsländern, wo derzeit noch die einfachen Handys vorherrschen, zum Standarddevice etablieren.
ZTE und Huawei gaben kurz vor der Messe milliardenschwere Deals mit Chiplieferanten wie Qualcomm und Broadcom bekannt, was als Zeichen für einen bevorstehenden Angriff auf die Konkurrenz gewertet werden könnte. Die Strategie der Chinesen klingt jedenfalls durchaus vielversprechend: Man will sich als Hightech-Unternehmen mit bis zu 20 Prozent niedrigeren Preisen als bei der Konkurrenz präsentieren.
Bei dem ZTE Era und dem Huawei Ascend D Qaud handelt es sich um die hardwarestärksten Geräte der chinesischen Hersteller. Laut Huawei ist das Ascend D Quad mit seinem von Huawei eigens entwickelten K3V2 Quadcore-Prozessor, sowie einem Grafikchip mit 16 Kernen das derzeit schnellste Smartphone der Welt. Als Betriebssystem fungiert Android 4.0 und der 1800 mAh-Akku soll laut Hersteller bei normaler Nutzung eine Laufzeit von zwei Tagen ermöglichen.
Drei in einem: Das Asus Padfone
Ganz neue Wege geht der taiwanesische Hersteller Asus mit dem Padfone. Das Gerät, welches erstmals auf der Computex 2011 vorgestellt wurde, ist mittlerweile marktreif und soll laut Asus im April 2012 erhältlich sein.
Der Clou: Das Padfone wird mit wenigen Handgriffen vom 4,3 Zoll Smartphone zu einem Tablet mit 10,1 Zoll Displaygröße umfunktioniert. Hierbei wird das Padfone in eine entsprechende Öffnung der Tablet-Einheit eingeschoben. Mit der optional erhältlichen Tastatur wird das Tablet mit Handykern schließlich zum vollwertigen Notebook.
Während die technischen Daten des Geräts schon länger bekannt sind – Android 4.0, Dual Core CPU mit je 1,5 Ghz, 1 GB Arbeitsspeicher sowie drei Modellversionen mit 16, 32 oder 64 GB internem Speicher – nennt Asus noch immer keine konkreten Preise für das Gerät selbst sowie für das Zubehör.
Beam me up Samsung
Bereits im Vorfeld der Messe, gab der südkoreanische Konzern Samsung bekannt, kein Nachfolgemodell seines Topmodells Galaxy SII vorstellen zu wollen. Stattdessen wurde mit dem Samsung Galaxy Beam ein Smartphone mit integriertem Beamer präsentiert. Diese Idee ist zwar nicht neu, bereits 2010 erschien mit dem Samsung I8520 ein Smartphone mit dieser außergewöhnlichen Zusatzfunktion, jedoch wurde deutlich an der Verbesserung der Leuchtstärke des Beamers gearbeitet.
Nun ist das Beam in der Lage auch in nicht vollständig abgedunkelten Räumen ein ausreichend helles, bis zu 50 Zoll (137 cm) großes Bild an die Wand zu projizieren. Erste Praxistests zeigten jedoch, dass es viel Feinjustierung bedarf um dies zu erreichen. Trotz des eingebauten Beamers ist das Gerät mit seinem 4 Zoll großen Bildschirm nur 12,5 Millimeter dick und wiegt 143 Gramm.
Quo vadis, Microsoft?
Windows-Smartphones waren auch in diesem Jahr nur selten auf den Ständen der Hersteller vertreten. Das Nokia Lumia 610 und ZTE Orbit waren zwei der wenigen Geräte die Windows Phone als Betriebssystem nutzen. Dieser Umstand soll sich laut Martin Wallner, Telekom Chef bei Samsung Austria, nächstes Jahr ändern. Wallner ist überzeugt, dass Windows 8 „einen deutlichen Schub bringen wird“. Der diesjährige WMC zeigt aber deutlich, dass ein Großteil der Hersteller weiterhin auf Android als Betriebssystem setzt.
Neue Player
Die steigenden Absatzzahlen von Smartphones locken auch Unternehmen an, die sich in den letzten Jahren eher aus der Mobilfunkbranche zurückgehalten haben. Ankündigungen der japanischen Elektronik-Riesen Panasonic und Fujitsu sorgen für frischen Wind in der Branche. Newcomer Fujitsu macht beispielsweise seine komplette auf der Messe gezeigte Produktpalette wasserdicht.
Der Großteil der vorgestellten Geräte soll bereits im 2. Quartal dieses Jahres erhältlich sein. Neben den Verbesserungen der Prozessoren und der Kameras integrieren immer mehr Hersteller den schnellen Mobilfunkstandard LTE in ihre Geräte. Zwar geht der Aufbau für die Datennetze der vierten Generation nur schrittweise voran, viele Experten sehen aber keine andere Alternative, um den enormen Datenverkehr zu bewältigen. In Österreich gibt es bereits 4G Netze in Wien, St. Pölten und in Innsbruck. Eine Liste der LTE-fähigen Geräte kann man hier abrufen.
von Sebastian Seefischer
