Abzocke – Nein, danke!
Text: Nadine Mittermüller | Do 17. Mär 2011
Beim Überprüfen des Kontostandes nach dem Urlaub bemerkst du, dass mehrmals von einem Unbekannten Geld von deinem Konto abgehoben wurde. Ein Horrorszenario, das immer mehr Menschen bereits am eigenen Leib erfahren haben.
Simon O. aus Reichenthal verbringt seinen Urlaub mit Freunden am „Goldstrand“ in Bulgarien. „Unser Reiseveranstalter riet uns im Vorfeld, Geld nicht in einer Wechselstube wechseln zu lassen, sondern einen Bankomat zu suchen.“ Deshalb sucht er gemeinsam mit einem Freund einen Bankomat auf und behebt dort Geld. Beide sind sehr bedacht darauf, dass sie niemand beobachtet und so ihren Code sehen kann. Ihm kommt es etwas seltsam vor, dass die Karte sehr ruckartig aus dem Kartenschacht herauskommt, aber da der Automat alt ist, macht er sich keine weiteren Gedanken darüber.
Als Simon O. wieder nach Österreich zurückkommt, prüft er seine Kontobewegungen und muss entsetzt feststellen, dass ihm an einem Tag achtmal 185,14 Euro abgebucht wurden.
„Ich ließ sofort mein Konto sperren, aber dennoch wurde noch zwölfmal in den folgenden zwei Tagen abgebucht. Das passierte, weil die Abbuchungen bereits vor Sperrung des Kontos in Auftrag gegeben wurden und sie dann nicht mehr storniert werden konnten.“
Der Auftrag für die Abbuchungen kam jedes Mal von den Philippinen und insgesamt belaufen sie sich auf 3720 Euro.
Hoher bürokratischer Aufwand
Am Tag nach der Kontosperrung muss er gemeinsam mit einem Freund, dem dasselbe passiert ist, zu seiner Hausbank, um dort einige Formulare auszufüllen. Darüber hinaus müssen die beiden beweisen, dass sie den Betrug nicht selbst eingefädelt haben, nicht auf den Philippinen waren und mit niemandem auf den Philippinen in Kontakt stehen. Solche Betrugsfälle werden von einer speziellen Abteilung des Kartenbetreiberunternehmens geregelt. Zuerst muss man jedoch in Kontakt mit der eigenen Hausbank treten. Beim Besuch seiner Hausbank sagte Simons persönlicher Berater, dass Betrugsfälle dieser Art sehr häufig und in allen Ländern passieren können – also auch in Österreich.
Wie machen die das?
Im Fall von Simon haben die Betrüger einen Kartenschachtaufstecksatz am Bankomat angebracht. Gewöhnlich bleibt dieser dort für etwa eine halbe Stunde. Zusätzlich überdecken sie die Tastatur mit einer zweiten. Behebt ein Kunde Geld, werden die Kartendaten und durch die falsche Tastatur auch der Code gelesen. Die gewonnenen Daten werden sofort weitergeleitet und gespeichert. Danach wird mit Hilfe der Daten ein Duplikat der Karte erstellt und zum Abheben von Geld verwendet.
Ältere sind häufiger Betrugsopfer
Der Bankstellenleiter Gerhard Stumptner erzählte SUMO, dass einem seiner Kunden dasselbe passiert ist. Es sei jedoch kaum möglich, sich gegen diese Art von Betrug zu schützen, da die Betrüger sehr gut organisiert seien. Seiner Erfahrung nach sind ältere Personen häufiger Opfer von Kriminellen, da sie beim Beheben von Geld und vor allem beim bargeldlosen Bezahlen in Geschäften sehr unvorsichtig sind. Die Betrüger beobachten sie, erspähen ihren Geheimcode und stehlen ihnen anschließend die Karte. Generell ist aber das Verhältnis von Betrugsfällen und der Anzahl an Bankomatkarten, die sich im Umlauf befinden, relativ gering.
Sei aufmerksam!
Herr Stumptner gibt den Rat, mindestens einmal pro Woche die Kontobewegungen am Kontoauszug oder im Internet zu überprüfen. Bei Auffälligkeiten sollte man sich sofort mit seinem Bankberater in Verbindung setzen. Diesen Rat richtet er vor allem an Jugendliche, da diese seinen Beobachtungen nach ihre Kontoumsätze oft gar nicht kontrollieren. Sie sehen sich lediglich den Kontostand an, beobachten aber die einzelnen Abbuchung nicht.
Jeder kann einem Betrüger zum Opfer fallen, deshalb hier noch ein abschließender Tipp von Simon:
„Ich rate dir beim Abheben von Geld immer sehr aufmerksam zu sein. Sollte zum Beispiel die Karte ruckartig aus dem Kartenschacht oder gar eine andere Karte herauskommen, überprüfe regelmäßig den Kontostand und die Abbuchungen. Fallen dir Unregelmäßigkeiten auf, nimm sofort Kontakt zu deiner Hausbank auf!“
Foto: Sandra Hinzmann
