
LRA – Im Namen des Herren?!
Text: Hannah Jenke | Di 27. Mär 2012
Eine der brutalsten Armeen, ihre Anfänge und Gegner. Die Lord’s Resistance Army mit Warlord Joseph Kony wütet seit Jahrzehnten in Norduganda. Von Entführungen über Morde bis hin zu Vergewaltigungen, die Bewegung schreckt vor nichts zurück.
Der Präsident von Uganda ist seit 1986 Yoweri Kaguta Museveni. Er wurde aufgrund einer Verfassungsänderung, die ihm eine dritte Amtszeit erlaubt, mit 68 Prozent der Stimmen, wieder gewählt.
Uganda grenzt im Norden an den Sudan. Im Südsudan herrscht ein präsidentielles Regierungssystem. LRA bedeutet „Lord’s Resistance Army“ – die Widerstandsarmee des Herren wurde 1987 gegründet. Die Vermutung, dass die LRA vom Sudan, der der ugandischen Regierung nicht gerade wohlgesonnen ist, finanziert wird, wurde noch nie bestätigt. Dennoch kämpft der Anführer der Gruppe gegen die Regierung Musevenis.
Die Anfänge der Organisation
Die einst bestehende „Holy Spirit Movement“ Widerstandsbewegung, die von Alice Auma Lakwena ins Leben gerufen wurde, wurde 1987 niedergeschlagen. Joseph Kony übernahm die Aufgabe, die Organisation weiter bestehen zu lassen, und gründete aus Resten die „Lord’s Salvation Army“ und benannte sie 1992 in „Lord’s Resistance Army“ um.
Nach der Herrschaft von Milton Obote 1985 gab es zahlreiche andere Widerstandsgruppen, die den Präsidenten Museveni bekämpften. Keine hat sich solange wie die LRA gehalten. Bis heute ist unklar, durch wen sie Unterstützung erhält, da sie gegen die Zivilbevölkerung und gegen die Regierung arbeitet, sieht man keine Befürworter. Uganda wirft dem Südsudan jedoch vor, die LRA zu bekräftigen, da die Basis der Organisation lange Zeit im Süden Sudans war.
Im Sezessionskrieg im Südsudan wurde die LRA von der Regierung in Khartum, der Hauptstadt vom Sudan, unterstützt. Heute dient der Organisation lediglich das schlechte Verhältnis Ugandas zur demokratischen Republik des Kongos und die, in Uganda verbreiteten, islamischen Gruppen.
Die wohl brutalsten Verbrechen
„Die wohl brutalste Rebellengruppe der Welt!“ So bezeichnete der Vizegeneralsekretär für Humanitäre Angelegenheiten und Koordination für Nothilfe der UNO, Jan Egeland, die LRA. Einzelne Mitglieder verfolgen die Bevölkerung, besonders in Norduganda um junge Männer als Soldaten auszubilden und die Mädchen als Sex-Sklavinnen zu missbrauchen. Mehr als eine halbe Million Menschen in Gulu und Kitgum wird durch die Kämpfe vertrieben und lebt in provisorischen Lagern, geschützt von der ugandischen Armee.
Die LRA entführt viele Kinder und bringt sie zu geheimen Basen, terrorisiert sie mit Sklaverei. Sie dienen als Wachen, Konkubinen oder Soldaten. Die Kinder werden geschlagen, vergewaltigt und gezwungen kilometerlange Märsche hinter sich zu legen, bis sie vor Erschöpfung umfallen. Sie werden genötigt, andere Kinder umzubringen, die versuchen zu entkommen.
Amnesty International berichtet, dass die LRA, ohne Kindesentführungen nur wenige Krieger hätte. Mehr als 6.000 Kinder wurden im Jahr 1998 entführt, später entkamen einige oder wurden wieder freigelassen. Berichten von Freigekommenen zufolge, hat die LRA eine große Anzahl von Zivilisten für eine Ausbildung zum Guerillakämpfer gezwungen. Zahlreiche Mädchen berichteten, dass sie von den Rebellen verkauft oder weitergegeben wurden - als Geschenke an Waffenhändlern im Sudan.
Der religiöse Aspekt
Joseph Kony möchte die Regierungsform von Uganda auf einen Gottesstaat umstellen. In einer Theokratie soll die Staatsgewalt einzig als religiös legitimiert werden. Eine „gottberufene“ Person, ein Prophet, soll religiöse Prinzipien ausüben und die Gesellschaft soll ebenfalls danach leben. Beispiele für einen Gottesstaat sind das alte Ägypten, das antike Griechenland, der Vatikanstaat und das Kaiserreich China.
Im Theokratismus möchte man an der Verwirklichung eines Reiches Gottes auf der Erde mitwirken. Anders gesagt - eine Theokratie soll im Sinne eines politischen Gestaltungsbild durchzusetzen sein und sich so zur politischen Religion entwickeln. Seit der Trennung von Staat und Religion, nach der Aufklärungsphase in den westlichen Ländern strebt keine Regierung mehr die Theokratie an. Inwiefern Joseph Kony, der einen Gottesstaat angelehnt an die Zehn Gebote gründen möchte, über seine Maßnahmen nachgedacht hat, ist nicht nachvollziehbar.
Die Unwahrheit des Verlangens
Der Religionsunterricht wird in Österreich ab der ersten Klasse Volksschule mindestens bis zur Beendigung der Pflichtschule geführt. Demnach lernen Kinder in Österreich ab dem sechsten Lebensjahr, meist auch früher, die Zehn Gebote. Über Konys Schulbildung gibt es keine Daten, doch er hat hier wohl etwas ausgelassen.
Hier Ausschnitte aus dem Katholischen Katechismus:
- Zweites Gebot: „Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren.“
- Viertes Gebot: „Du sollst Vater und Mutter ehren."
- Fünftes Gebot: „Du sollst nicht töten.“
- Sechstes Gebot: „Du sollst nicht Unkeuschheit treiben.“
- Siebtes Gebot: „Du sollst nicht stehlen.“
Die Interpretationen der verschiedensten Verbrechen in Konys Namen seien euch allen selbst überlassen. Einleuchtend ist jedoch, dass der Warlord nicht nach den Zehn Geboten handelt. Auch die Achtung der Menschenrechte ist nicht ersichtlich. Diese fallen in Entwicklungsländern oder/und in Kriegen oft unter den Tisch - jedoch sollte zumindest Joseph Kony mit seiner Armee dem Gedanken nachkommen, die Gebote, die er in einem Gottesstaat haben möchte, vorzuleben.
von Hannah Jenke
