"Still We'Re Rising"
Text: Iris Kienböck, Dominik Leitner | Mi 04. Mai 2011
Seit 2006 gibt es sie nun schon: die österreichische Band „From Dawn To Fall”. Live begeistern die Perchtoldsdorfer regelmäßig ihre Zuhörer. Nun ist ihr zweites Studioalbum „Rising“ erschienen. SUMO war beim CD-Release am 18. März im Wiener WUK für euch vor Ort.
Kurz vor dem Auftritt treffen wir Sänger Stoffl und Bassist Philip im Backstagebereich des WUK zum Interview. Es wird uns Bier angeboten, die Stimmung ist locker und entspannt.
Als Erstes interessiert mich natürlich, wie ihr auf den Albumtitel gekommen seid. Hat der eine bestimmte Bedeutung?
Stoffl: Grundsätzlich ist der Albumtitel „Rising“ schon mit dem ersten Albumtitel entstanden. Mit „The Beginning“ war schon klar, dass „Rising“ als nächstes Album entstehen muss. Wir wollen da den roten Faden in unserer Entwicklung, in unserem Reifeprozess quasi, ein bisschen aufzeigen. Aber sehr schön, dass ihr das kapiert habt.
Habt ihr Pläne, mehr Auftritte im Ausland zu machen? Ihr habt ja schon einige Gigs in Italien hinter euch, was habt ihr also so geplant?
Philip: Jetzt unmittelbar nach dem Release konzentrieren wir uns auf Österreich. Aber natürlich ist es ein Ziel – ich glaube jede Band hat das Ziel – mehr im Ausland zu spielen. Über unsere Albumconnection, Brian von Vanilla Sky, der unser Album produziert hat, sind wir viel nach Italien gekommen.
Eine ganz besondere Geschichte war, als wir vor zwei Jahren nach Bukarest eingeladen worden sind. Wir wurden dort eingeflogen und haben mit 3 Feet Smaller ein unvergessliches Konzert gespielt – da will man natürlich mehr davon. Somit ist es sicher ein Ziel von uns, mehr Shows im Ausland zu spielen. Wir wären wirklich dankbar, wenn das passieren und funktionieren könnte.
Was ich auch wirklich super fand: Man hat eindeutig gemerkt, dass es dort nicht so viele Konzerte gibt. Obwohl sie wahrscheinlich weder 3 Feet Smaller, noch From Dawn To Fall kannten, waren die Leute so dankbar, dass dort wieder einmal Musik gespielt wird und die Post abgeht. Eines der unvergesslichsten Konzerte, das wir erleben durften.
Welche Band bzw. welcher Künstler ist eure musikalische Inspiration?
Philip: Das Besondere ist, dass wir alle aus verschiedenen Musikrichtungen kommen und privat auch ganz unterschiedliche Sachen hören – von Pop, Dance und House über Electronic bis hin zu Drum’n’Bass, Hard-Rock und Metal. Wir versuchen, das alles zu verbinden, in einen Topf zu hauen und schauen dann im Proberaum einfach, was dabei rauskommt. Wir machen uns da aber nicht allzu viele Gedanken, wie das klingen soll. Wir legen einfach los und versuchen das zu machen, was uns Spaß macht.
Es ist also mehr ein Gemeinschaftsprozess, wenn ihr eure Lieder schreibt?
Stoffl: Ja, die Lieder entstehen eigentlich alle im Proberaum. Wir spielen wild drauf los, niemand hat am Anfang eine Ahnung, was er macht. Das entwickelt sich immer weiter, bis schließlich ein Song entsteht. Am Anfang ist es eigentlich immer ein ziemliches Chaos, das sich dann gut entwickelt.
Philip: Es entwickelt sich von 25 falschen Tönen in 3 Minuten zu vielleicht 20 oder nur mehr einem, und dann steht der Song. So könnte man es gut zusammenfassen.
Gibt’s noch ein weiteres besonderes Erlebnis in eurer bisherigen Bandgeschichte, über das ihr uns etwas erzählen wollt?
Philip: Ein intensives Erlebnis waren für uns die Aufnahmen zu diesem Album. Wir waren alle zusammen für fünf Wochen in Rom. Da haben wir teilweise auch zusammen in einem gemieteten Appartement mit zwei Italo-Spaniern gelebt und wurden für 5 Wochen in die Römer-Community aufgenommen. Das war eine Erfahrung, die wir definitiv nicht missen wollen. Das hat uns menschlich einfach superviel gebracht. Rom ist eine supergeile Stadt.
Eine ganz coole Geschichte war: Wir haben bei einem Fußballmatch mitgespielt – Österreicher gegen Italiener. Obwohl man uns stark unterschätzt hat, sind wir schlussendlich als heroische und deutliche Sieger vom Platz gegangen. Die Enttäuschung war der Grün-Weiß-Roten-Fraktion anzusehen. Dank dem Fußballtalent Stoffl, der mit genauso viel Einsatz spielt wie er singt, durften wir diesen Sieg davontragen und das erfüllt uns noch heute mit tiefem Stolz.
Was sind eure kurz- und langfristigen Pläne? Wie geht es weiter?
Stoffl: Jetzt wollen wir erst mal Österreich komplett für uns einnehmen. Wir wollen Festivals und Clubshows spielen. Wir wollen spielen, spielen, spielen! Und ja, wer weiß … vielleicht auch mal in die Albumcharts. Das wär für mich ein extrem großes Ziel: Mit dem neuen Album mal wirklich was reißen – den Leuten muss es taugen.
Philip: Ein weiteres Ziel war von Anfang an, dass wir sehr gern in Japan auf Tour gehen würden. Die haben aber im Moment andere Sorgen, schlimm was dort passiert. Auch von unserer Seite: Alles Gute! Und wir hoffen, dass sich dort alles zum Guten wendet und wir es irgendwann erleben dürfen, dort aufzutreten. Das ist definitiv ein Ziel von uns, das wir gerne mal erreichen würden.
Ich weiß nicht, ob man das eine Band fragen darf: Aber was ist euer Lieblingslied auf der CD?
Stoffl: Das kann ich dir ganz, ganz klar beantworten: Das ist für mich „New Start“. Und zwar weil’s für mich vom Text her persönlich ist – ein ganz, ganz intimes Thema, mit dem ich mich auseinandergesetzt hab. Bei diesem Song habe ich gesagt, was ich mir eine Zeit lang wirklich gedacht habe. Das war schwierig für mich. Das ist mein absoluter Lieblingssong. Vielleicht gerade deswegen.
Philip: „New Start“ ist bei mir auf Platz zwei. Mein Lieblingssong auf dem neuen Album ist „Gossip“, weil wir uns – sag ich mal – sehr weit aus dem Fenster gelehnt haben mit diesem Song und er relativ schnell passiert ist. Ich finde, er zeigt eine ganz andere Facette von uns, die wir bis dahin gar nicht kannten. Wir sind aber doch sehr stolz und glücklich, dass wir sie haben.
Wie würdet ihre den österreichischen Musikmarkt einschätzen? Ist es schwierig, sich zu etablieren? Wie habt ihr das erlebt?
Stoffl: Ich glaube, wir haben es von Anfang an recht leicht gemacht bekommen. Wir haben super Bands gehabt, die uns auf Touren mitgenommen haben. Wir haben die Arcadia Agency gefunden, die uns super Konzerte bucht. Wir haben wirklich viel Glück gehabt! Und das ist in Österreich ganz sicher nicht einfach: Du musst viel spielen, du musst dir irgendwie einen Namen machen. Und ich glaube, wir sind am besten Weg dazu.
Philip: Was man jeder jungen Band raten muss: spielen, spielen, spielen! Und versuchen, sich eine Fanbase, ein Fundament, eine Basis aufzubauen. Da gehört viel Schweiß, viel Arbeit und auch viel Geld dazu, das man investieren muss. Bei uns hat sich diese Arbeit aber immer bezahlt gemacht. Und natürlich braucht eine Band Erfolgserlebnisse, die motivieren.
Nach dem Interview freuen wir uns auf das Konzert wie kleine Kinder auf den Weihnachtsmann. Schon die Supports ShowYourTeeth und Marcus Smaller heizen dem Publikum ordentlich ein. Dann ist es endlich so weit: From Dawn To Fall betreten die Bühne. Abwechselnd geben die Jungs neue Songs und Altbekanntes zum Besten. Das Publikum wird aufgefordert den Refrain aus dem Song „Broken Heart“ als Facebook-Status zu posten. Stoffl bittet alle, die sich trauen, on stage. Nachdem die Bühne voll mit Fans ist springt er ins Publikum und gibt den letzten Song des Abends zum Besten. Ein Konfettiregen beendet die Release-Show.
Wir sind begeistert von dem tollen Abend und der Qualität der österreichischen Bands. Da bleibt nur noch eins zu sagen: Support Austrian Music!


From Dawn To Fall
Stefan Eckhard (vocals)
Johannes Herbst (guitar, vocals)
Daniel Rumpel (guitar)
Clemens Landkammer (drums)
Philip Oszwald (bass)
Album: Rising
Genre: Punk/Rock
Label: The Arcadia Agency
Website: www.fromdawntofall.com
von Dominik Leitner
