Chroniken einer Metalcamperin
Text: Martina Bräuner - Sommerredaktion | Di 23. Aug 2011
Im Juli war es wieder so weit. Wie jedes Jahr folgten auch heuer Metaller aus ganz Europa dem Ruf der Hölle und pilgerten zu Tausenden an die Soča um eine Woche Metal in all seinen Spielarten zu genießen. Mit Tolmin an der Soča hat das Metalcamp "Hell over Paradise" wahrlich ein Paradies als Festivallocation.
Vorfreude bei 40°C im Schatten
Schon an der Einfahrt zum Camp-Gelände wird klar: Der Kapitalismus hat nun auch das verschlafene, slowenische Örtchen Tolmin erreicht. Fleißig wird von den „Early Arrivers“ eine stolze Gebühr kassiert. Von etwaigen sanitären Einrichtungen (auch Dixie-Klos genannt) ist einstweilen noch nichts zu sehen und das soll noch eine geraume Zeit so bleiben.

Während die Sonne bei fast 40 °C vom Himmel brennt, beginnt das Metalcamp seine Form anzunehmen. Die Spannung und die Vorfreude auf die ersten Bands steigen. Erstes Highlight am Konzerttag Nummer eins ist die portugiesische Gothic-Metalband Moonspell. Anfangs etwas verunsichert zieht Frontman Fernando Ribeiro mit seiner Stimme das Publikum rasch in seinen Bann.
Wenn die Stimmung am Kochen ist
Headliner des ersten Tages sind jedoch Airbourne. Die Australier rocken das Publikum in althergebrachter Manier.
Akrobatische Showeinlagen in luftiger Höhe von Sänger und Gitarrist Joel O’Keeffe dürfen dabei natürlich nicht fehlen. Ob Headbangen oder Moshpit, die Fans zeigen ihre Begeisterung lautstark. Kaum jemand bleibt ruhig an seinem Platz stehen, ausgelassen toben ist mehr als erwünscht. Diese einmalige, den Metalkonzerten ganz eigene Stimmung muss man einfach erlebt haben. Das Metalcamp ermöglichte dies auch heuer wieder volle fünf Tage lang.
Wilde Gitarrensounds und rasende Rhythmen werden von Größen wie Arch Enemy, Slayer oder Kalmah auf die Spitze getrieben. Richtig heiß her geht es dabei am vorletzten Tag, als In Extremo mit einer feurigen Show für Furore sorgt. Die deutsche Mittelalter-Rockband heizt die Stimmung für ihre Landsmänner von Blind Guardian ordentlich auf. Die Metal-Veteranen zeigen, dass ihnen auch nach über 30 Jahren die Luft noch keineswegs ausgeht, wenn sie nach über eineinhalb Stunden Konzert als würdigen Abschluss „The Bards Song“ schmettern.

Letztes echtes Highlight sind die Altmeister von Accept, die in Tolmin ihren Tourabschluss geben. Mark Tornillo als neuer Sänger und Energiebündel bringt die Stimmung im Publikum ein letztes Mal so richtig zum Kochen.
Abschied aus der Hölle
Alles in allem bleiben Line-Up und Organisation des Metalcamp heuer weit hinter den Erwartungen zurück. Während österreichische und deutsche Festivals vor bekannten Headlinern nur so strotzen, haben sich nach Tolmin nur wenige wirkliche Größen verirrt. Außerdem wurden sogar dem unumstrittenen Highlight des Festivals, Slayer, seitens der Veranstalter Zugaben verboten. Die gab es dafür bei den Preisen. Um stolze 5 € war am Camp-Gelände zum Beispiel ein gewöhnliches Kebap zu haben.

Dem Spaß und dem Urlaubsfaktor konnten diese Umstände zum Glück nichts anhaben. In den paradiesischen Sandstrand an der türkisblauen Soča kann sich auch ein tiefschwarzes Metallerherz leicht verlieben. Viel zu schnell ist das Metalcamp wieder Geschichte. Es bleibt nichts anderes übrig als wehmütig Abschied zu nehmen bis zum nächsten Jahr, wenn es wieder heißt „Hell over Paradise“.
Wer nächstes Jahr auch dabei sein möchte: http://www.metalcamp.com/
