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The Californian Way Of Life

californiaStrahlender Sonnenschein, braun gebrannte Surfer und ein Starbucks an jeder Ecke – das sind nur ein paar der typischen touristischen Annahmen über Kalifornien. Nur zwei Wochen im „Golden State“ zeigen allerdings auch die Schattenseiten des Sonnenstaates.

„Puh, wie weit ist es denn noch?“, stöhne ich, als ich mich nach zehn Minuten noch immer denselben Hügel hinaufquäle. Ich hätte doch ein Taxi nehmen sollen! Aber das Geld muss ich für Sightseeing sparen. So schnell komme ich nicht wieder nach San Francisco. Das beeindruckende Panorama und die Vorfreude auf ein Bett nach 15 Stunden Flug mit dreimal Umsteigen sind meine Motivationsquellen. Oben am Hügel angekommen ist die Golden Gate Bridge in der untergehenden Sonne zu erkennen – der Beginn von zwei Wochen in Kalifornien, die ich nicht so schnell vergessen werde.

On the Streets of San Francisco

Ganz oben auf der Sightseeing-Liste jedes Touristen steht die Fahrt mit einem Cable Car – schon bloß, um die zahlreichen Hügel der Stadt nicht zu Fuß bezwingen zu müssen. Die braun-rötlichen Wagen darf man sich allerdings nicht allzu gemütlich vorstellen: Bereits mit zehn Personen wird es sehr eng im Cable Car. So eng, dass man sich nicht anhalten muss um stehenzubleiben, wenn sich das Fahrzeug über einen Hügel nach dem anderen kämpft. Denn die nicht immer erwünschte, zu kuschelige Nähe zum unbekannten Nachbarn übernimmt diese Aufgabe für einen. Laut ratternd bewegt sich das durch unterirdische Kabel angetriebene altmodische Verkehrsmittel durch die Straßen von „Frisco“, wie die Einwohner ihre Stadt auch liebevoll nennen.

Mit dem Rad durch die Stadt

Eine Linie der Cable Cars führt direkt zum Hafenviertel Fisherman’s Wharf. Eine besonders bekannte Stelle dort ist Pier 39, wo sich Seelöwen regelmäßig in der Sonne baden. Von dort geht es lärmend weiter zur Golden Gate Bridge mit einem klapprigen Damenrad, das ich mir in einem der zahlreichen Fahrradgeschäfte ausborgt habe. Die grandiose Aussicht auf den Pazifik und die ehemalige Gefangeneninsel Alcatraz im San Francisco Bay lassen mich beinahe vergessen, dass sich die viertgrößte Stadt der USA auf über 40 Hügeln erstreckt. Die Anstrengung hat sich ausgezahlt, als ich nach zwei Stunden Fahrt auf einer der bekanntesten Brücken der Welt stehe, umgeben vom Lärm des Verkehrs und dem Tosen des Windes. Die Golden Gate Bridge ist allerdings nicht nur für ihre Schönheit bekannt, sondern auch für ihre Popularität unter Selbstmördern. Seit dem Bau der Brücke 1937 sind mehr als 1.300 Menschen in den Tod gesprungen. Suizidgefahr besteht bei mir nicht – meine Laune trübt nur der Gedanke an den Muskelkater, der mich am nächsten Tag erwarten wird.

Ortswechsel: City of Contrasts

Egal, wo man sich in Los Angeles befindet: Es ist nicht weit zu berühmten Stränden wie Venice Beach, an dem beispielsweise „Baywatch“ gedreht wurde. Blauer Himmel, blaues Meer und weißer Strand – das Wetter verspricht in der Stadt der Engel genau das, was man sich erhofft. L.A. – die Stadt der Gegensätze – erwartet Touristen in Stadtvierteln wie Beverly Hills oder Bel-Air mit riesigen Villen und meterhohen Zäunen und Bäumen, die kaum einen Blick auf die Häuser erlauben. Meine Hoffnung, ein Foto von Robert Pattinson in seinem Garten zu schießen, ist somit extrem geschrumpft. Ebenso verflüchtigt haben sich die Illusionen über mein gemietetes Appartement, das sich in der Nähe von Katherine Heigls Haus befinden soll. Denn die bei jeder Bewegung laut quietschenden Betten lassen kaum Schlaf zu. Nur wenige Kilometer weiter scheint die Kriminalität zu florieren. Verlassene und mit Graffiti beschmierte Gebäude, Tierexkremente und mitten auf der Straße schlafende Obdachlose machen es schwierig, die zahlreichen, unmittelbar angrenzenden Sehenswürdigkeiten inmitten Hollywoods zu genießen. Touristenattraktionen wie der Hollywood Walk of Fame und das Kodak Theater, in dem die Oscars verliehen werden, schaffen es nur kurzweilig, die aus Filmen und Zeitschriften bekannte Hollywood-Atmosphäre aufrecht zu erhalten.

In der Traumfabrik von Hollywood

Die Universal Studios ermöglichen für ein paar Stunden einen Einblick in die Traumfabrik Hollywood. Rundfahrten führen durch Filmsets von „Der Grinch“ oder „Krieg der Welten“. Die Gestalter der Tour versuchen vor allem eines: Die Besucher zu überraschen. Das gelingt ihnen auch – ohnehin schon von oben bis unten nass gespritzt, werde ich bei einem kurzen Zwischenstopp auch noch von Norman Bates, dem Mörder aus „Psycho“ angegriffen. Als ob das nicht reichen würde, sind die Wagen auch noch offen. Ich kann es nicht erwarten, bis sich der Zug endlich wieder in Bewegung setzt und ich dem Messer des Serienkillers entkommen kann – sei es auch nur aus Plastik. Na ja, wenigstens in der Vorstadtidylle vom „Desperate Housewives“-Set kann ich mich entspannen.

Schönheitsfehler hinter der Fassade

Kalifornien erfüllt wirklich alle Klischees: tolles Wetter, schöne und berühmte Leute und ein Starbucks an jeder Ecke. Doch bei genauerem Hinschauen bemerkt man, dass sich hinter der scheinbar makellosen Fassade Schönheitsfehler verbergen. Diese versucht man unter großen Sonnenbrillen zu verstecken, oder gar durch Schönheitsoperationen auszumerzen. Unter der Sonne Kaliforniens muss man eben aufpassen, dass man sich nicht verbrennt.

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