Zensiert, aber dennoch informiert 

Bildquelle: Wikimedia Commons by sebaso

In Ländern ohne plurale Demokratien sind die Medien im Regelfall in der Hand des Staates. Die Informationen, die die Menschen bekommen sind meist gefiltert und regierungskritische Nachrichten werden nicht veröffentlicht. Journalisten, die sich trauen über Missstände zu Berichten werden verfolgt.

Zu den grundliegenden Menschenrechten gehören seit 1948 die Meinungsfreiheit und damit verbunden auch die freie Meinungsäußerung und der freie Zugang zu Informationen. Doch die Realität zeigt ein anderes Bild. Die jährlich von den Reportern ohne Grenzen veröffentlichte Rangliste über 180 Länder und deren Pressefreiheit veranschaulicht die immer noch großen Missstände in vielen Ländern.

Zensur, geringe bis keine Medienvielfalt und Drohungen an Journalisten oder Aktivisten sind nur ein paar Probleme mit denen sich die Bevölkerung aber insbesondere die Medien und deren Mitarbeiter auseinandersetzen müssen. Im Jahr 2016 waren weltweit über 250 Journalisten und Journalistinnen inhaftiert, aufgrund ihrer Arbeit und Meinungsäußerungen gegen das vorherrschende Regime. Den traurigen ersten Platz belegt die Türkei mit 81 inhaftierten Medienmitarbeitern.

Gerade in diesen Ländern in denen freie JouranlistInnen und AktivistInnen verfolgt, verhaftet oder sogar getötet werden, gibt es immer wieder furchtlose Publizisten die sich trotz dieser massiven Einschränkungen nicht ihrer Freiheit der Meinungsäußerung berauben lassen wollen. Doch welche Wege nutzen sie, um sich freie und objektive Informationen zu beschaffen und weiterzugeben?

Mit Kreativität gegen Zensur

An Informationen zu gelangen aus Ländern mit staatlicher Zensur ist mindestens genau so schwierig wie im Land selbst unabhängige, nicht manipulierte Nachrichten zu erlangen. Doch möglich ist es. Im Jahr 2009 herrschten, nach einer fragwürdigen Präsidentschaftswahl, Massenproteste auf Teherans Straßen. Die iranische Regierung verbot es Angestellten ausländischer Medien direkt von der Straße aus zu berichten um die Geschehnisse in der Hauptstadt zu dokumentieren.

Die Sozialen Medien waren die Lösung. Der Nachrichtensender CNN forderte über Facebook die Menschen auf Video- und Bildmaterialien über die Proteste nach London an den Sender zu übermitteln. So war es CNN möglich direkt aus der iranischen Hauptstadt Live-Bilder und Videos von EinwohnerInnen zu erhalten. Trotz zahlreicher Versuche der Regierung eine Berichterstattung zu unterbinden kamen weiterhin Nachrichten aus der Stadt. Ein Beispiel dafür, dass mit Kreativität selbst Zensur zu umgehen ist.  Mit technischer Finesse oder unter Verwendung von codierter Semantik.

Wieder Verfügbar

Im Jahr 2015 setzte die Organisation Reporter ohne Grenzen ein Zeichen. Rechtzeitig zum Welttag gegen Internetzensur machten sie in elf Ländern neun gesperrte Nachrichtenseiten wieder verfügbar. Sie kopierten die Seiten und stellten sie über die Speicherdienste großer Internetanbieter zur Verfügung. Dadurch wurde gewährleistet, dass die Seiten gleich wieder durch die Regierungen gesperrt wurden. Weiters Verhinderten sie die Blockierung einzelner Schlagwörter mittels einer https-Verschlüsselung, denn die Seiten sollten auch wieder von den Menschen gefunden werden. Die ausgewählten Seiten seien vertrauenswürdige und unabhängige Nachrichtenportale wie zum Beispiel das russische Portal „Grani.ru“ oder die „Tibet Post International“ die von Indien aus operiert. Die Webseite „Ferghana News“ berichtet gleich für mehrere Länder in Zentralasien mit stark eingeschränkter Pressefreiheit. Das war ein wichtiger Schritt um in einigen Ländern mit starker Zensur blockierte Informationen wieder zugänglich für die Menschen zu machen.

Das „verstecke“ Internet

Das Darknet ist ein Teil des „Deep Webs“, das wiederum den Teil des Internets bezeichnet, der nicht durch normale Suchmaschinen wie Google zu finden ist. Dieses anonyme Internet wird schnell mit Aktivitäten wie illegalem Drogenhandel oder anderen unmoralischen Geschäften in Verbindung gebracht. Doch es ist weit mehr als nur ein Marktplatz für Kriminelle die hier ihre Dienste anbieten. Es stellt in Zeiten von Überwachung und Internetzensur ein wichtiges Kommunikationsmedium dar, dass den Menschen die Möglichkeit bietet an Informationen zu kommen. Viele Kritiker, Whistleblower, Aktivisten oder Regimegegner beschaffen sich hier ihre Informationen oder stellen Informationen zur Verfügung ohne befürchten zu müssen eingesperrt zu werden. Aber natürlich ist es nicht für jeden so einfach in das Darknet zu gelangen. Um Zugriff auf diesen Teil der Internets zu haben benötigt man ein spezielles Netzwerk, ein sogenanntes Tor-Anonymisierungs-Netzwerk. Tor, „The Onion Routing“, bezeichnet eine Anonymisierungstechnik, die es Nutzern möglich macht das Darknet zu durchsuchen aber auch anonym durch das normale Internet zu surfen.

Die Digitalisierung erleichtert es einerseits autokratischen politischen Systemen, Kommunikation zu kontrollieren und zu korrumpieren. Andererseits steht die Internetkommunikation gerade für den nicht aufhaltbaren Fluss von Informationen über den gesamten Erdball.

Quellen:

http://www.rog.at/

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/153606/umfrage/inhaftierte-journalisten-weltweit/

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-12/reporter-ohne-grenzen-journalisten-haft

https://www.reporter-ohne-grenzen.de/rangliste/2016/ueberblick/

http://derstandard.at/1397522335892/Das-Menschenrecht-auf-freie-Meinung

https://freedomhouse.org/report/freedom-world/freedom-world-2017

http://www.dw.com/de/gastkommentar-die-wahrheit-in-syrien-kann-leben-kosten/a-18416289

http://www.huffingtonpost.de/2015/03/12/reporter-ohne-grenzen-int_n_6860996.html

https://info.arte.tv/de/das-darknet-hort-der-kriminalitaet-oder-bastion-der-meinungsfreiheit

https://www.nzz.ch/internet_hebelt_iranische_zensur_aus-1.2755851

Über den Autor

vita

Bildquelle: Ferdinand Schramek

Ferdinand Schramek, Absolvent der HLTW Bergheidengasse mit dem Schwerpunkt Eventmanagement studiert derzeit im Studiengang BA Medienmanagement an der Fachhochschule St. Pölten. Er arbeitet nebenbei als unentgeltlicher Journalist für die Medien-Fachzeitschrift SUMO, die ihren Ursprung als Projekt der medienbezogenen Studiengänge der FH St. Pölten hat.

 

 

 

 

 

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