Schauspieler und Filmindustrie im Spiegel der KI

King Kong, Tilly Norwood, Emily Blunt, Michael Caine, Avatar Jack Sully, – schauen im Kino einen Film, von rechts vorne, dass wir die Gesichter gut erkennen können, ein paar haben Popcorn in der Hand“ – ChatGPT 5.2, 4.01.2026, 15:21

Eine angehende Hollywood-Newcomerin erobert gerade Aufmerksamkeit – auf Instagram posierend sie am roten Teppich, Gerüchte rund um Verträge und ersten Filmangebote machen die Runde. Das ist Tilly Norwood – eine KI erstellte Schauspielerin.

Emily Blunt vs Matthew McConaughey

Der Aufruhr in Hollywood ist groß. Bereits 2023 war der Einsatz von KI in Filmen Thema beim Streik der SAG-AFTRA Gewerkschaft. In einem Statement spricht sich die Schauspielervertretung klar gegen den Einsatz von computergenerierten DarstellerInnen aus. Besonders Emily Blunt  engagiert sich an vorderster Front und ruft Agenturen dazu auf, keine KI-SchauspielerInnen wie die Kunstfigur Tilly Norwood einzusetzen, da zwischenmenschliche Beziehungen verloren zu gehen drohen.

Auch Scarlett Johansson lehnte sich in der Vergangenheit gegen die Geschäftspraktiken um Künstliche Intelligenz im Filmbusiness Hollywoods auf. 2024 ging sie gegen OpenAI, dem Unternehmen hinter ChatGPT, vor. Dessen neue KI-Stimme „Sky” ihrer eigenen Stimme ähneln und sie nicht um Erlaubnis für eine Lizenzierung gefragt wurde. OpenAI stritt jegliche Ähnlichkeiten ab, stellte sie jedoch trotzdem ein.

In Hollywood werden KI-Stimmen zu einer neuen Einnahmequelle. Schauspieler Michael Caine und Matthew McConaughey vermarkten ihre Stimmen an ElevenLabs. Das Unternehmen vertreibt auf ihrem “Iconic Voice Marketplace” KI-generierte Stimmen lebender, als auch verstorbener Stars. Die Plattform vernetzt interessierte Unternehmen mit den jeweiligen RechteinhaberInnen des geisteigen Eigentums und stellt nach beidseitiger Einigung die nötige Technik für die Umsetzung der Zusammenarbeit oder Lizenzierung zur Verfügung.

In der Synchronbranche sorgt der Einsatz von KI ebenfalls für Spannungen. Netflix führte beispielsweise eine neue Klausel ein, die das Verwenden deutscher Synchronstimmen für das Trainieren von KI erlaubt. Das trifft unter SynchronsprecherInnen auf Ablehnung. Sie fürchten, neben der fehlenden Kompensation, eine Substition durch künstliche Stimmen. Der Streaminganbieter antwortet mit der Drohung neue Produktionen nur mit Untertiteln zu veröffentlichen.

Die Geschichte der Illusion

Seit den ersten Zeichentrickexperimenten des frühen 20. Jahrhunderts, über Disneys Animationsfilme bis hin zu den digital erschaffenden Welten von heute, war das Kino immer ein Ort der Verwandlung. Von dem 1933er „King Kong“ aus Draht, Gummi und Miniaturkulissen, dass das Publikum glauben ließ, es stünde einem echten Giganten gegenüber bis hin zu der Entwicklung von CGI. CGI wird zum Erschaffen neuer Welten eingesetzt, wie auch um reale Aufnahmen digital zu verändern – wie in “Forrest Gump”, wo durch Morphing historische Filmsequenzen so manipuliert wurden, dass die Hauptfigur scheinbar mit US-Präsidenten interagiert.  Diese Entwicklung setzte sich konsequent fort. Hollywood zeigt, wozu es fähig ist: Geschichten nehmen, sie größer machen um mit jedem technischen Fortschritt eine neue Realität zu erschaffen. Somit wurde etwa „King Kong“ bis heute ganze 16 Male verfilmt.
Hollywood wurde so nicht nur der Ort der Filme, sondern auch der Ort der Verführung, denn die Studios verstanden es früh, dass ein Werk erst dann wirkt, wenn sein Publikum ihm glaubt, die Verführung emotional bindet. Daher bleibt genau das auch der wahre Motor dieser Traumfabrik, worauf viele ihre Werke beruhen – Illusionen.

Angstform: Norwood

Wenn wir über Illusion reden, so ist das aktuelle Level KI. Was sind also die Vor- und Nachteile?

Man findet KI bereits in Oscar nominieren Filmen wie “The Brutalist” und “Emilia Pérez”, bei denen die Technologie zur Aufbesserung von Gesang und der besseren Aussprache von Fremdsprachen eingesetzt wurde. Der Anwendungsbereich ist vielfältig und kann den gesamten Produktionsprozess, von der Drehbuchentwicklung, dem Casting über visuelle Effekte und Postproduktion, begleiten. Durch Deepfakes können Geschichten weitererzählt werden, indem SchauspielerInnen verjüngt oder wiederbelebt werden.  Die Verkürzung und Automatisierung dieser Vorgänge sorgt für Kosteneinsparungen. Aufwendige Prozesse, die zuvor noch monatelang geplant und umgesetzt werden mussten, benötigen durch KI deutlich weniger Ressourcen. Das gilt nicht nur für die Filmproduktion, sondern auch die Vermarktung.

KI wird kritisiert, weil sie bereits Existierendes umarbeitet und dadurch das Menschliche im Film zu verschwinden drohe. Diese Sorge zielt weniger auf Wiederholungen, denn sie sind das Grundprinzip des Storytellings, sondern um die dabei verloren gehende menschliche Kreativität, die hier durch Künstliche Intelligenz ersetzt wird.

Next Level

KI wird sich zum Standardwerkzeug in vielen Produktionsphasen etablieren. So könnte die Kreation einer Fantasiewelt promptgesteuert erfolgen, was neue kreative Möglichkeiten eröffnet. Zugleich aber klare Regelungen für Transparenz und Kennzeichnung erfordert. Durch den Einsatz von KI werden Produktionskosten gesenkt, während mehr Inhalte in kürzerer Zeit entstehen können. Die kreative Arbeit verändert sich, verlagert sich gegebenenfalls teilweise in andere Bereiche, bleibt jedoch bestehen. Denn Emotionen und Publikumsansprache sind die zentralen Qualitätsmerkmale eines erfolgreichen Films.

Einen Film zu produzieren bedeutet Veränderung. Veränderungen sind ein fester Bestandteil in der Filmwelt, die damals wie heute auf Widerstände vielfältiger Natur treffen. Künstliche Intelligenz setzt diese Tradition fort und stellt eine weitere technische Entwicklung dar. Die Branche wird, wie einst durch Animation und CGI, erweitert. Auch Preisverleihungen passen sich an. Die Oscar-Academy führt ab 2026 verpflichtende Richtlinien zur KI-Nutzung ein. Vielleicht wird es bald eine neue Oscar Kategorie geben: “Bester KI-Einsatz im Film”.

Über die Autorinnen

Nelina Mayer ist 20 Jahre alt und studiert im 3. Fachsemester Medienmanagement an der HAW St. Pölten. Erste Erfahrungen in der Medienwelt sammelte sie durch Kurzfilme und Werbedrehs. In ihrer Freizeit widmet sie sich mit Leidenschaft dem Bouldern, dem Tanzen und dem Zeichnen.
Bild:  University of Applied Sciences St. Pölten

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Hannah Schwarzbartl ist 21 Jahre alt und studiert im 3. Fachsemester Medienmanagement an der HAW St. Pölten. Erste Erfahrungen mit Medien erhielt sie durch ein Marketingpraktikum und ihre frühere Mitarbeit im Schulradio. Ihre Freizeit verbringt sie gerne mit Sticken, Backen, Lesen sowie dem Besuch von Konzerten.
Bild:  University of Applied Sciences St. Pölten

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