Das Einkommen von Artists im Alltag des Musikgeschäfts

Ausverkaufte Konzerthalle mit tausenden Fans – der Traum aller Musiker*innen
Bild – Copyright: Mia Weisz 

Die Leidenschaft zum Beruf machen, ist für viele Musiker*innen auf der ganzen Welt der große Traum. In Österreich ist das nicht anders. Die größte Frage dabei: wie verdient man mit der Musik eigentlich Geld und wie schaut dabei speziell die Lage in Österreich aus?

von IRIS GÖBL & KLARA HIRTL

Die finanzielle Realität der Musiker*innen in Österreich

Musiker*innen in Österreich streben danach, ausschließlich von ihrer musikalischen Tätigkeit zu leben. Allerdings gestaltet sich die Finanzierung allein durch die Musik als herausfordernd. In Österreich kombinieren etwa 57% der Kunstschaffenden ihre künstlerische Tätigkeit mit kunstnahen und/oder fernen Tätigkeiten. Zu diesem Ergebnis kam die Studie „Soziale Lage der Kunstschaffenden und Kunst- und Kulturvermittler/innen in Österreich 2018“. Etwa die Hälfte der Musiker*innen integriert kunst- und kulturvermittelnde Tätigkeiten mit ihrer künstlerischen Tätigkeit. Es sind hier vor allem Lehrtätigkeiten in unterschiedlichen institutionellen Kontexten von Musikschulen über Privatunterricht bis hin zu Universitäten. Diese hybriden Erwerbsformen sind oft eine Notwendigkeit, um die Einkommensstabilität zu gewährleisten. In einer idealen Situation jedoch würden Musiker*innen ihre ganze Energie und Zeit ihrer künstlerischen Leidenschaft widmen.

Zwischen Unabhängigkeit und Industrieriesen

Musikerinnen stehen in ihrem Werdegang vor der Entscheidung, welchen Weg zwischen Major-Labels und Independent-Labels sie einschlagen wollen. Die Musikindustrie ist von zwei Hauptakteuren geprägt: den Major-Labels und den Independent-Labels. Die sogenannten „Majors“ – Sony Music Entertainment, Universal Music Group und Warner Music Group dominieren den Weltmarkt mit einem Marktanteil von etwa 80%. Im Gegensatz dazu agieren die Independent-Labels unabhängig von den Großkonzernen. Hierbei lassen sie sich in zwei Kategorien unterteilen. Einerseits die Repertoire-Labels, die Musik verschiedener Künstler*innen veröffentlichen, deren Werke stilistisch oder thematisch zusammenpassen und andererseits „artist-driven“ Labels, die sich auf das Werk einzelner Künstler*innen oder Kollektive konzentrieren. Oftmals werden letztere von Musiker*innen selbst gegründet. Der finanzielle Aspekt der Entscheidung zwischen Unabhängigkeit und einem Plattenlabel hat erhebliche Auswirkungen auf die Karriere eines Musikers. Bei Unabhängigkeit behalten Künstler die Kontrolle über ihre Einnahmen, erhalten jedoch weniger finanzielle Unterstützung. Ein Vertrag mit einem Major-Label bringt oft einen Vorschuss ein, ist aber ein rückzahlbares Darlehen. Plattenfirmen beanspruchen Prozentsätze von verschiedenen Einnahmequellen, was bedeutet, dass Künstler möglicherweise erst nennenswerte Einnahmen erzielen, wenn der Vorschuss zurückgezahlt ist, was viel Zeit in Anspruch nehmen kann. Ein Plattenvertrag bietet zwar finanzielle Vorteile, kann aber auch Nachteile wie den Verlust der kreativen Kontrolle mit sich ziehen. Unabhängige Künstler*innen haben finanzielle Selbstverwaltung, ernten jedoch direkt die Früchte ihrer Arbeit und sind keinen möglichen kreativen Einschränkungen unterlegen. Artists, die unter Vertrag sind, müssen sich wiederum nicht um Finanzen kümmern, sondern haben Zeit sich ausschließlich ihrer Kunst zuwidmen. Die Entscheidung hängt also von persönlichen Zielen und Prioritäten der Musiker*innen ab. 

Independent Musiker*innen müssen also für Kosten selbstständig aufkommen. Für ein professionell produziertes Album muss man so jedoch schnell einmal 10.000€ aus der Tasche ziehen, ohne Marketing-Kampagnen oder Musikvideos mit einzurechnen. Auch Live-Veranstaltungen kommen Künstler*innen nicht billig. Neben der Location-Miete und Technik kommen auch Gebühren sowie eine Aufführungslizenz der AKM dazu.

Die Einnahmequellenmöglichkeiten sind vielfältig und reichen von Vinyl bis zu Live-Auftritten.
Bild Copyright: Iris Göbl

Von Live-Gigs zu Merchandise

Schafft es ein Artist von seiner Kunst zu leben, gibt es vielfältige Einkommensquellen, die von Konzerten über Streaming bis hin zu Merchandising reichen. Allgemein gelten Live-Gigs als wichtigste finanzielle Quelle für Musiker*innen. Dies stimmt im allgemeinen Abbild der Musikindustrie zwar, ist jedoch für den Großteil der Künstler*innen nicht die Realität. Während große Artists Millionen mit ihren Tourneen verdienen und dadurch die jährlichen Umsätze pushen, werden weniger bekannten Sänger*innen gar Gigs angeboten, für die sie nicht entlohnt werden, sondern selbst einen Betrag zahlen müssen. Neben Live-Auftritten stellt Streaming mit einem Jahresumsatz von 143,8 Mio. Euro in 2021 die größte Einkommensquelle für Künstler*innen in Österreich dar. Auch die LSG-Lizenzeinnahmen tragen einen großen Anteil des Profits bei. Dabei spielen vor allem Vergütungsansprüche für Sendungen in Radio oder TV und die öffentliche Wiedergabe in Restaurants oder Diskotheken eine große Rolle. Trotz des Vinyl-Booms, der weiterhin anhält, nimmt die Bedeutung von physischen Trägern ab.

“Zero dot zero zero three – Give me two years, and your dinner will be free”

Die Abnahme an CD-Verkäufen und einen Streaming-Umsatzanteil von fast 80% ist der Digitalisierung zu schulden, denn fast 50% der Menschen geben an, dass sie Musik über einen Audiostreaming-Provider hören. Mit 226 Mio. zahlenden Nutzer*innen und einer Royalty-Auszahlung von 70% ihrer Einnahmen sollte Spotify der Traum aller Musiker*innen sein. Trotzdem verdienen Künstler*innen im Durchschnitt nur zwischen 0.003 und 0.0084 Euro per Stream. Damit kommen viele erst bei einer halben Millionen Streams auf den monatlichen österreichischen Mindestlohn. Diese niedrigen Royalty-Beträge kommen durch Spotifys Auszahlungsprozess zustande. Hierbei spielen viele Faktoren ein, unter anderem aus welchen Ländern die Streams kommen und ob die Hörer*innen einen Premium-Account haben. Besonders wichtig sind jedoch die Streaming-Shares. Große Artists, die also zum Beispiel 20% der gesamten Streams ausmachen, bekommen auch (ungefähr) 20% der Auszahlungen. Somit verdienen die globalen Superstars einen riesigen Anteil, während unbekanntere Sänger*innen kaum über Streamingdienste Geld verdienen. Dies sorgt bei vielen Künstler*innen für Unruhe. So protestierten die Sängerinnen „Teya & Salena“ in ihrem Lied „Who the Hell Is Edgar?“ beim Eurovision Song Contest 2023 über diese Missstände mit Songzeilen wie „Edgar cannot pay rent for me“. Auch das Europaparlament wurde auf dieses Problem aufmerksam. Anfang 2024 fordern die Abgeordneten in einer angenommenen Entschließungein Ende der ungleichen Verteilung der Einnahmen von Audiostreaming-providern. Da es derzeit keine EU-Vorschriften in diesem Bereich gibt, soll künftig ein neuer EU-Rechtsrahmen eingeführt werden.

Das Hobby zum Beruf zu machen ist für viele Musiker*innen der große Traum.
Bild – Copyright: Iris Göbl

Realität oder doch nur Wunschgedanke

Die Leidenschaft für die Musik treibt viele Künstler*innen in Österreich an, doch die Frage, ob man davon leben kann, ist ein komplexes Thema. In Österreich verdienen 53% der Musiker*innen weniger als 5.000€ im Jahr, während nur 6% auf über 30.000€ kommen. Sollten Audiostreaming-Plattformen ihren Royalty-Auszahlungsprozess nicht ändern, liegt es wohl an dem Publikum ihr Konsumverhalten zu verändern, sodass die Kreativen in der Breite aus der prekären Einkommenssituation herausgeführt werden. Denn die Musiker*innen befinden sich konstant in einem Spannungsfeld zwischen künstlerischer Tätigkeit und wirtschaftlichem Erfolg. Beides unter einem Hut zu bringen und nur noch von der Musik zu leben, gelingt derzeit nur der Minderheit. Für die meisten bleibt es wohl für immer nur der große Traum.

Über die Autorinnen

Bild Copyright: Clara Hirschvogl

Klara Hirtl ist 22 Jahre alt und studiert Medienmanagement an der FH St.Pölten. Sie hat eine besondere Leidenschaft für die Themen Medien, Musik und Mode. 
Kontakt: klara.hirtl@gmail.com

Bild Copyright: Leo Himmelbauer

Iris Göbl ist 21 Jahre alt und studiert Medienmanagement an der FH St. Pölten. Ihre große Passion gilt der Musik- und Filmindustrie. In ihrer Freizeit verbringt sie gerne mit einem guten Buch in der Hand.
Kontakt: Iris.goebl@gmail.com